1. – 13. Schuljahr

Jonathan Pargätzi/Stephan Schiemann

Training im Sportunterricht

Sport- und trainingspädagogische Zugänge sowie methodisch-didaktische Überlegungen

Training stellt eine zentrale Handlungsform des Sports dar. Die Begriffe des Trainings und Trainierens werden aber nach wie vor in erster Linie mit dem Vereins- und Leistungssport in Verbindung gebracht. Unberücksichtigt bleibt dabei oftmals, dass auch in der Trainingswissenschaft schon seit langem von einem offeneren Trainingsbegriff ausgegangen wird (Hohmann, Lames & Letztelter, 2014), der ganz unterschiedliche Anwendungsfelder einschließt, wie etwa den Alterssport, Behindertensport, Erlebnissport, Rehabilitationssport, Gesundheitssport und selbstverständlich auch den Schulsport (Hottenrott & Neumann, 2016).
Aufgrund der großen Verbreitung und Bedeutung des Fitnesssports hat das Trainieren inzwischen an gesamtgesellschaftlicher Bedeutung gewonnen, die sich in nahezu allen Altersklassen zeigt und nicht nur auf den organisierten Sport beschränkt bleibt. Ferner trainieren insbesondere Kinder und Jugendliche nicht mehr nur im Verein im Rahmen der traditionellen Angebote des Leistungs- oder Breitensports, sondern zunehmend auch in informellen Settings im nichtorganisierten Sport. Man denke hier unter anderem an das intensive und vielfältige „Üben der Kinder und Jugendlichen in den unterschiedlichen Trendsportsportarten, zum Beispiel Le Parkour und Slackline. In diesen informellen Settings werden oftmals virtuose Körperbeherrschungen und hoher Bewegungsdynamiken erreicht, wie sie auch in traditionellen Sportarten erst nach einem längeren, regelmäßig durchgeführten und angeleiteten Trainingsprozess erzielt werden.
Im Sportunterricht unterlag die Bedeutung des Trainierens in den letzten Jahrzehnten „erheblichen konjunkturellen Schwankungen, die „von großer didaktisch-methodischer Wertschätzung (...) bis zur pädagogischen Abwertung und strikter Zurückweisung reichten (Hummel in Thienes & Baschta, 2016, S. 7). Sehr wohl kann Training aber auch mit Schülerinnen und Schülern zum Thema des Sportunterrichts gemacht werden (Ehni, 2000). So weisen die curricularen Vorgaben, ebenfalls mit zunehmender Betonung der Fitness- und Gesundheitsthematik, vielfältige Bezüge zum Trainieren auf (Überblick z.B. bei Baschta, 2016b, Lange & Baschta, 2013). Neben den Aspekten der Fitness und des Fitnesssports spiegelt sich die aktuell zunehmende Relevanz des Trainings und der Trainingslehre im Schulsport auch in weiteren Themenbereichen in den Schullehrplänen und curricularen Bestimmungen der Bundesländer wider. Insbesondere in den Oberstufenlehrplänen werden Aspekte wie Trainingsprinzipien, spezifische Trainingsmethoden, das Training der körperlichen Leistungsfähigkeit, physiologische Anpassungsprozesse durch Training und das Techniktraining explizit als Schwerpunkte aufgeführt. Im Fokus des Sportunterrichts stehen dementsprechend nicht nur gesundheitsförderliche Trainingsarrangements, sondern auch das Training der konditionellen und koordinativen Hauptbeanspruchungsformen Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit, Beweglichkeit, Koordination mit dem Ziel der motorischen Leistungssteigerung sowie das Techniktraining.
Nachfolgend wird in diesem Beitrag unter anderem skizziert, dass eine große Herausforderung darin besteht, die originären Ziele von Training, die in der Verbesserung der sportmotorischen Leistungsfähigkeit kulminieren (Thienes, 2011), in Einklang mit den Erziehungs- und Bildungszielen des Sportunterrichts zu bringen (Wolters, Pahmeier & Lindemann, 2016). Für eine schülerorientierte Entwicklungsförderung muss daher für den Sportunterricht kritisch abgewogen werden, inwiefern Trainingspraktiken Inhalte, Methoden, Ziele aus dem außerschulischen in den schulischen Bereich transferiert werden können, sodass das erzieherische und bildende Potenzial des Trainierens (Prohl 2004; Lange, 2004) entfaltet werden kann. Hierfür muss sich der Blick auf die Thematik insofern...

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