1. – 13. Schuljahr

Meike Breuer/Oliver Peters

Sportspielvermittlung

Spielfähigkeit vermitteln, spielfähig werden aber wie?

Spielen macht eigentlich allen Menschen Spaß und erfüllt zudem eine wichtige Funktion in der individuellen Entwicklung. Nicht umsonst spricht man in diesem Zusammenhang häufig auch vom Homo ludens, der seine kulturellen Fähigkeiten über das Spiel entwickelt1. Dieses gilt natürlich auch für die Schule und dementsprechend für den Sportunterricht. Spielen kann aber nur dann lern- und entwicklungsförderlich sein, wenn der Einzelne die Möglichkeit hat, sich individuell mit einzubringen und auch eine möglichst umfängliche Teilhabe und Partizipation gewährleistet ist. Der Schulsport wird somit vor die zentrale Aufgabe gestellt, diese Partizipation vor dem Hintergrund einer zunehmend heterogenen Schülerschaft zu ermöglichen. Das bedeutet, dass auch bei der Vermittlung von Sportspielen diese Aspekte bei der Planung und Durchführung von Unterricht unbedingt mitgedacht werden müssen.
Dieses wird umso bedeutsamer, wenn man sich die Bedeutung der Sportspiele im Sportunterricht anschaut. Dabei fällt auf, dass vor allem in den weiterführenden Schulen die klassischen großen Sportspiele weiterhin einen breiten Raum einnehmen. Allein für Basketball, Fußball und Volleyball wurde in einer Studie der Unfallkasse NRW aus dem Jahr 2009 in der Sekundarstufe I ein Wert von 30% an der gesamten Unterrichtszeit ermittelt (vgl. Hübner, Pfitzner & Seidel, 2009). Dazu kommen viele Phasen mit weiteren Sportspielen und vielen kleinen Spielen zum Aufwärmen und als Stundenabschluss, sodass man vermutlich fast 50% der gesamten Unterrichtszeit für die großen und kleinen Sportspiele annehmen kann. Das ist vor dem Hintergrund der intendierten Berücksichtigung vielfältiger Bewegungsfelder und Sportbereiche im Sportunterricht zunächst einmal bemerkenswert und gibt einen Hinweis auf die Attraktivität dieses Bewegungsfeldes.
Grundsätzlich ist bei der Vermittlung von Sportspielen das Erreichen der jeweiligen sportspielspezifischen Spielfähigkeit das übergeordnete Ziel bei allen Ansätzen. Doch was verbindet sich mit diesem Begriff überhaupt und wie lässt sich diese Fähigkeit herstellen bzw. messen? Im Sinne von Lames (1998, S. 138) handelt es sich bei der Spielfähigkeit um eine Summe an Fertigkeiten und Fähigkeiten, die eine Person benötigt, um aktiv und möglichst optimal an einem Sportspiel teilzunehmen. Darüber hinaus differenziert Memmert (2011) noch einmal in eine allgemeine und eine spezifische Sportspielfähigkeit. Dabei bezieht sich die allgemeine Sportspielfähigkeit auf das Vorhandensein basistaktischer, koordinativer und technischer Kompetenzen, die die Grundlage für die Teilnahme an Sportspielen darstellen. Erst auf der Basis dieser Fähigkeiten erfolgt dann eine Hinführung zu einer spezifischen Sportspielfähigkeit. Sehr anschaulich wird dieses auch im Modell zum spielerisch-taktischen Lernen (s. Abb. 1 ). Hier wird ersichtlich, dass die sportartspezifische Spielfähigkeit (dritte Stufe) erst am Ende einer mehrstufigen Entwicklung steht. Das macht deutlich, dass es wichtig ist, in der Entwicklung auch die erste (sportspielübergreifende Vermittlung) und zweite Stufe (sportspielgerichtete Vermittlung) im Blick zu behalten. Gerade für die Primarstufe und die Erprobungsstufe (Jahrgangsstufe 5 und 6) sind die Inhalte dieser beiden Ebenen von zentraler Bedeutung.
Wenn man einen Blick in die Unterrichts- und Vermittlungspraxis wirft, zeigen sich aber häufig Aspekte, die sowohl Fragen hinsichtlich der Inhalte und der Vermittlungsmethoden als auch hinsichtlich der Partizipationsmöglichkeiten aufwerfen. So lässt sich in der Vermittlung häufig eine sehr große Nähe zu Trainings- und Spielformen beobachten, die im Vereinssport genutzt werden. Es existieren in der Schule aber große Unterschiede zum Vereinssport, der aufgrund seiner Zielsetzung in der Regel mit deutlich homogeneren Gruppen sowohl hinsichtlich der...

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