7. – 13. Schuljahr

Klaus-Martin Stuhlmann/Alina Gilbert

Schulsport Beachvolleyball?!

Einführung in die Sportart Beachvolleyball mittels Taktik-Spielmodell und genetischem Lernen

Die Sportart Beachvolleyball erfreut sich nicht nur durch die deutschen Olympiasiege in London 2012 und in Rio de Janeiro 2016 eines deutlich gestiegenen Medien- sowie Öffentlichkeitsinteresses. An vielen Orten, beispielsweise in Freibädern, an Seen, in Vereinsanlagen, an Stränden und auf öffentlichen Plätzen, entstehen neue Beachvolleyballanlagen, die Präsenz der Sportart Beachvolleyball ist auch in vielen Urlaubsangeboten gestiegen. Zudem stellt der Untergrund Sand einen besonders hohen Aufforderungscharakter dar, vor allem, da bei Rettungsaktionen der Bodenkontakt nicht wie beim Hallenvolleyball als schmerzhaft empfunden wird, sondern der Sand „Flugerlebnisse mit sanfter Landung ermöglicht. Da ein Freizeitbezug auf der Hand liegt, sind die Schülerinnen und Schüler fast durchgängig sowie altersunabhängig motiviert, diese Sportart im Schulsport kennenzulernen. Doch wie können wir als Sportlehrerinnen und Sportlehrer diese hohe Motivation seitens der Schülerinnen und Schüler aufgreifen? Bei der Vermittlung sind vorab einige Fragen zu klären und eine Reihe großer Herausforderungen zu bewältigen, z.B. die Erreichbarkeit und Anzahl von Beachfeldern im Schulumfeld, die geeignete Größe der Schülergruppe sowie die Verfügbarkeit und Notwendigkeit von Material. Auf den ersten Blick ist die Sportart zudem technisch und koordinativ höchst anspruchsvoll, worunter ggf. der Spielfluss leidet. Inwiefern ist also ein neuer Ansatz notwendig? An welcher Stelle sollte Beachvolleyball vom Hallenvolleyball abgegrenzt werden und wo können Parallelen gezogen werden?
Vermittlungsmethode
Das vorliegende Unterrichtsvorhaben versucht, für die aufgeworfenen Fragen Antworten, Ideen und Anregungen zu geben. Im Rahmen dieser Vermittlungsmethode geht es um einen spielorientierten Ansatz, der sowohl Elemente des Taktik-Spielmodells nach Mitchell als auch des genetischen Lernens in Anlehnung an Loibl aufgreift und dabei aber immer die Spielidee in den Mittelpunkt stellt.
Die Spielidee verfolgt dabei, wie auch im Hallenvolleyball, zwei Ziele: zunächst den Ball im eigenen Feld volley zu kontrollieren und daraufhin erfolgreich in das gegnerische Feld zu spielen. Diese Spielidee wird von der ersten bis zur letzten Stunde des vorgestellten Unterrichtsvorhabens verfolgt. Damit verändern sich sowohl das Verständnis für als auch der Einsatz von Technikelementen. Technik verfolgt weder einen Selbstzweck noch trägt sie durch additives Aneinanderreihen bis hin zum Zielspiel zum Gelingen bei. Stattdessen soll sie jedem einzelnen helfen, seine Ballkontrolle und individuelle Spielfähigkeit zu verbessern. Im Vordergrund stehen dabei Bewegungsaufgaben, mit denen die Schülerinnen und Schüler die dazugehörige Spielform adäquat durchführen können. Dafür werden technische Inputs genutzt, die an den individuellen Könnensstand angepasst sind.
Der Einsatz von verschiedenen (Beach)Volleybällen mit unterschiedlichen Oberflächen (weicheren, z.B. aus Neopren o. Ä.), die beim Spielen eine vergleichbare Flugkurve haben, aber von ängstlichen oder blockierten Schülerinnen und Schülern gewählt werden können, wird empfohlen. Darüber hinaus verbessert das Üben mit verschiedenen Bällen die Koordination und die Ballkontrolle.
Der Ball kann mit allen Körperteilen gespielt und somit kontrolliert werden, was bedeutet, dass ein Lernender diesen in einer Drucksituation auch einarmig, mit dem Fuß oder mit dem Oberschenkel spielen kann und somit trotz fehlender technischer Fähigkeiten ein Spiel zustande kommt. Dieser rein spielorientierte Ansatz vermittelt dadurch von Anfang an Spielfähigkeit und die Schülerinnen und Schüler werden nicht mit der Vermittlung von volleyballspezifischen Techniken vom Spielen abgehalten. Auch der Fehlerbegriff und vorgegebene Technikleitbilder treten so zuerst einmal in...

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