11. – 13. Schuljahr

Patrick Breuer/Tim Nebelung

Sag mal, wie lernst du denn?

Klassische Sportspielvermittlungsmodelle und genetisches Lernen im Vergleich am Beispiel Volleyball

Das Sportspiel Volleyball übt trotz hochkomplexer technischer und taktischer Anforderungen meist eine große Faszination auf viele Lernende aus. Allerdings ist Volleyball auch diejenige Spielsportart, in der ein flüssiges Spiel häufig nur schwer zu realisieren ist. Oftmals ist das „Spiel dann von einem sehr monotonen Rhythmus gekennzeichnet: „Aufschlag Punkt, „Aufschlag Punkt, „Aufschlag, Annahme Punkt etc. Trotzdem eignet sich das Sportspiel in besonderem Maße für die Schule, da der Zweikampfcharakter, der viele andere Sportspiele auszeichnet, hier deutlich reduziert ist. Nicht unerwähnt darf an dieser Stelle zudem bleiben, dass Volleyball im Sinne der reflexiven Koedukation (vgl. Kirfel & Klimeck, 2016, S. 7f.) ganz hervorragend dazu genutzt werden kann, das fachliche und methodische Lernen sowie die Entwicklung des individuellen Selbstkonzeptes durch phasenweise geschlechtshomogene oder -heterogene Gruppenzusammensetzungen mit anschließender sensibler Reflexion zu fördern. Hinzu kommt, dass die Lernvoraussetzungen und Vorerfahrungen der Schülerinnen und Schüler im Volleyball meist weniger stark divergieren als z.B. beim Fußball.
Eine Antwort darauf, wie man sowohl den genannten Schwierigkeiten begegnen als auch die besonderen Chancen nutzen kann, soll die Darstellung der Unterrichtspraxis eines Oberstufenkurses im vorliegenden Beitrag geben. Hier wurde der Versuch unternommen, durch das Kennenlernen, die Analyse und Anwendung unterschiedlicher Sportspielvermittlungsmodelle, den komplexen Herausforderungen in Bezug auf die Vermittlung des Volleyballspiels zu begegnen, um einen mehrkanaligen – und somit im besten Fall leistungszuträglichen Zugang zum Sportspiel Volleyball für Schülerinnen und Schüler mit verschiedenen volleyballspezifischen Vorerfahrungen zu ermöglichen. Die dabei angesprochenen unterschiedlichen Sportspielvermittlungsmodelle werden auch hinsichtlich ihrer Zielsetzung und der divergierenden Methodik analysiert, um neben dem motorischen Zugewinn auch eine Auseinandersetzung auf der kognitiven Wissensebene zu ermöglichen. Bei der Lerngruppe handelte es sich um einen Grundkurs mit dem Profil Volleyball und Leichtathletik. Ein Teil der Schülerinnen und Schüler hatte zudem das Fach Sport als 4. Abiturfach gewählt. Die Lerngruppe hatte bisher nur wenig Erfahrung mit dem Lerngegenstand und es wurde bereits zu Beginn deutlich, dass die Schülerinnen und Schüler, was die volleyballspezifische Spielfähigkeit betrifft, sehr leistungsheterogen sind. Hinsichtlich der begleitenden Vermittlung von sporttheoretischen Inhalten hatte sich die Gruppe aber bereits in den vorangegangenen Unterrichtsvorhaben sehr wissbegierig hinsichtlich der sport- und trainingswissenschaftlichen Grundlagen gezeigt, die auch für die Schülerinnen und Schüler mit Abiturfach Sport im Rahmen einer Klausur abgeprüft wurden.
Die Heterogenität und Schwierigkeit einer sportspielspezifischen Spielfähigkeit im Volleyball besteht oftmals in einer Überforderung der spielunerfahrenen/volleyballunerfahrenen/wenig ballaffinen Lernenden hinsichtlich ihrer Wahrnehmungs-, Antizipations- und Reaktionsfähigkeit (vgl. Söll & Kern, 2005, S. 279) im Spiel, konkret bestehend aus ungewohnten und komplexen Bewegungsabläufen, starker Abhängigkeit von Mitspielenden und dem Spielen auf engstem Raum (vgl. Dürrwächter, 1976, S. 11), einer durch kurze Ballwechsel reduzierten Bewegungszeit und dem sog. Standspiel (vgl. Papin, 2002, S. 14). Hinzu kommen Angst vor dem als zu hart empfundenen Ball und eine fehlende Kommunikation in der Mannschaft. Czimek und Papageorgiou (2012, S. 13) charakterisieren Volleyball zusätzlich als „Spiel der Fehler, da jeder Fehler sofort mit Unterbrechung und Wechsel des Aufschlagsrechts „bestraft wird. Demgegenüber stehen die ballaffinen...

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