5. – 6. Schuljahr

Oliver Peters

„Der Ball ist mein Freund

Individuelle Fähigkeiten fördern anhand der Prinzipien der Heidelberger Ballschule

Beim Thema Sportspielvermittlung fallen einem zunächst die großen Sportspiele ein. Man denkt an Basketball, Volleyball, Tennis und natürlich auch an König Fußball. Doch die Grundlagen für eine gelingende Sportspielvermittlung in den großen Sportspielen werden bereits viel früher gelegt. Viele notwendige und hilfreiche Fähigkeiten werden dabei im Spiel intuitiv entwickelt. Das können sowohl taktische Basiskompetenzen wie das Freilaufen oder Sichanbieten, aber auch technisch-koordinative Fähigkeiten wie eine gut ausgeprägte Auge-Hand-Koordination sein. Die Entwicklung dieser Fähigkeiten kan aber nur erfolgen, wenn man den Lernenden auch solche Spiel- und Übungsgelegenheiten bietet, die entsprechend vielfältige Anforderungen darstellen und Entwicklungspotenzial bieten.
In diesem Schuljahr unterrichte ich seit längerer Zeit mal wieder eine fünfte Klasse und schon relativ früh zeigte sich, dass die Schülerinnen und Schüler bei der Durchführung kleiner Spiele und Spielformen zum Kennenlernen zwar alle sehr motiviert sind, auf der anderen Seite aber über sehr unterschiedliche Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen, was die aktive Teilnahme teilweise erschwert. Gerade bei Abwurfspielen und ersten Parteispielen zeigten sich vor allem diejenigen dominant, die bereits seit Längerem Mitglied in einem Sportverein sind, damit bereits über grundlegende sportspielspezifische Erfahrungen verfügen und diese auch in den kleinen Spielen gewinnbringend einbringen können. Wenn dann noch die motorisch schwächeren Schülerinnen und Schüler gerade in den unteren Jahrgängen mit der Komplexität der großen Sportspiele konfrontiert werden, findet nur wenig individuelle Förderung statt und die motorische Diskrepanz zwischen den sportspielaffinen Lernenden und den noch nicht so talentierten Mitschülerinnen und Mitschülern wird immer größer.
Ziel des Unterrichtsvorhabens
Auf der Grundlage dieser Erkenntnisse wird deutlich, dass hier die sportspielübergreifenden und sportspielgerichteten Spiel- und Übungsformen eine bessere Förderung der individuellen Fähigkeiten ermöglichen. Diese werden in besonderem Maße durch die Methoden und Ideen der Heidelberger Ballschule gefördert. (K1)
K1 I Infokasten Heidelberger Ballschule
K1 I Infokasten Heidelberger Ballschule
Die Heidelberger Ballschule wurde im Jahr 1998 von Klaus Roth, Professor für Sport und Sportwissenschaft an der Universität Heidelberg, gegründet. Im Mittelpunkt steht dabei eine ganzheitliche Entwicklungsförderung, die sich mit der Formel „mehr Bewegung für mehr Kinder umschreiben lässt. Dem vielfältigen Bewegen wird dabei neben allgemeinmotorischen und gesundheitsförderlichen Aspekten (Vermeidung von Bewegungsmangel, Vorbeugung von Adipositas) auch unter gewissen Vorbehalten eine verbesserte Entwicklung kognitiver Fähigkeiten zugesprochen. Aus der Feststellung heraus, dass die „natürliche Ballschule durch veränderte Lebensgewohnheiten heute nicht mehr so gegeben ist, entsteht in der Konsequenz die Forderung, dass die Bedeutung der Entwicklung dieser Fähigkeiten gerade für die jüngeren Kinder (schon ab dem Kindergarten) eine entwicklungsförderliche Bedeutung hat und damit innerhalb des schulischen und außerschulischen Sports aufgegriffen werden sollte. Die Inhalte der Ballschule werden grob in drei Bereiche geteilt:
Abbildung aus: Roth, K./Kröger, C. (2015)
Neben der ganzheitlichen Entwicklungsförderung stellen die Inhalte und Zielsetzungen der Ballschule auch die Basis für die Entwicklung sportspielspezifischer Spielfähigkeit dar. Sie folgt damit einem integrativen Sportspielvermittlungsmodell.
Gekennzeichnet ist die Ballschule dabei durch vier Leitsätze:
Quelle: www.ballschule.de und Roth, K./Kröger, C. (2015)
Im Rahmen dieses Unterrichtsvorhabens (Abb. 1 ) sollen meine Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Bausteine der Heidelberger...

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