5. – 10. Schuljahr

Greta Gerke

„Auf die Schläger, fertig, los!

Spielend Badminton lernen mit Köpfchen! Spielsituationen verstehen und technisch adäquat lösen können

„Was machen wir denn im nächsten Jahr im Sportunterricht?, fragten mich meine Schülerinnen und Schüler kurz vor Schuljahresende beim Wandertag, der uns gemeinsam bei tollem Wetter ins Freibad geführt hatte. „Gute Frage, dachte ich, denn so ganz genau hatte ich mich damit bisher noch nicht auseinandergesetzt. „Lasst mich doch auch erst einmal in die Ferien gehen, dachte ich insgeheim, aber auf der anderen Seite äußerte sich in dieser Frage doch ein verstecktes Kompliment: Der Sportunterricht war anscheinend etwas, auf das sich die Klasse mit Blick auf das kommende Schuljahr schon jetzt freute. Dass ausgerechnet die Schülerinnen und Schüler, die nicht unbedingt die sportbesessensten der Klasse waren, fragten, zeigte mir, dass in dieser Frage noch etwas anderes steckte: Sie hieß auch so viel wie „Was lernen wir denn bald wieder Neues? Im Folgenden beobachtete ich meine Klasse auf der Freibadwiese – was machen die Schüler und Schülerinnen eigentlich, wenn ihnen einfach mal selbst das Feld überlassen wird? Einige wenige Jungs beschäftigten sich mit Ballhochhalten ein exklusives Spiel für geschickte Ballkünstler, an dem nicht viele teilnehmen konnten. Eine andere, sogar relativ große Gruppe, schien ziemlich intensiv zu interagieren, tatsächlich eine Gruppe aus Mädchen und Jungen, die sich noch dazu aus sportaffinen und weniger sportaffinen Schülern und Schülerinnen zusammensetzte. Was sie zusammenbrachte, war das gute alte Federballspiel – irgendwie konnte jeder mitmachen, einige erklärten den anderen etwas und gemeinsam wurde versucht, den Ball, so gut es ging, im Spiel zu halten. „Badminton, dachte ich mir. „Das machen wir im kommenden Schuljahr!
Als ich mich daranmachte, meine Unterrichtsreihe zu planen, fand ich mich in einem gewissen Zwiespalt wieder. Mir wurde schnell klar, dass die Vorerfahrungen meiner Lernenden aus dem Federballspiel zwar grundsätzlich hilfreich sein würden, um so schnell wie möglich zu einem flüssigen Spiel zu gelangen, die Spielidee des Federballs aber ganz grundlegend derer des Badmintonspiels widerspricht. Es musste also darum gehen, so schnell wie möglich zu einem anderen Spielverständnis zu gelangen: nicht den Ball im Spiel halten, sondern Punkte machen!
Bei meiner Recherche stieß ich letztendlich auf das aus den USA stammende Sportspielvermittlungsmodell Tactical Games Approach (TGA) der Autoren Mitchell, Griffin und Oslin.
Dieses Modell schien mir die Möglichkeit zu bieten, die Lernenden so viel wie möglich spielen und sie durch die Reflexion von Spielhandlungen und -situationen ein Spielverständnis entwickeln zu lassen und eine Praxis-Theorie-Verknüpfung im Sinne einer reflektierten Praxis gestalten zu können.
Auch beim TGA nimmt die Vermittlung technischer Fertigkeiten einen entscheidenden Raum ein. Die Besonderheit besteht aber eben darin, dass technische Fertigkeiten genau dann eingeführt werden, wenn die Lernenden die Notwendigkeit dieser für die erfolgreiche Problemlösung selbst erkennen (vgl. Mitchell, S., Oslin, J. & Griffin, L. (2013), S. 455). Der Ausgangspunkt ist also stets das im Spiel bzw. in der spielechten Spielform erfahrene taktische Grundproblem. So bleibt bei der grundlegenden Problemorientierung letztendlich auch bei TGA der funktionell angelegte Übungsprozess für den Erwerb der sportartspezifischen technischen Fertigkeiten eine der Kernphasen des Unterrichts (s. Kreis-Spiral-Modell nach Wurzel, Basisartikel). Aber: Um ein Unterrichtsvorhaben nach TGA sinnstiftend für die Schülerinnen und Schüler zu konstruieren, bedarf es einer in hohem Maße antizipierenden Unterrichtsplanung (Tab. 1 ), die im Folgenden anhand eines Stundenbeispiels aufgezeigt werden soll, nachdem der Verlauf des Unterrichtvorhabens von mir vorgestellt wird. (K1)
Verlauf des Unterrichtsvorhabens
Zum Einstieg in das...

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