1. – 13. Schuljahr

Matthias Jakob

Schwimmen

Herausforderungen und Perspektiven für den Sportunterricht

Das Element Wasser ist einmalig und außergewöhnlich. Die Auseinandersetzung und das Sich-Einlassen auf dieses Element kann zu vielen unverwechselbaren Sinneseindrücken führen. Wasser löst besondere Kälte- und Wärmereize aus. Das Umgebensein des Körpers von Wasser kann als umhüllender Schutz oder erdrückende Masse wahrgenommen werden. Im Wasser ist man leichter als an Land. Im Wasser lässt sich mit der Atmung experimentieren: beim Tauchen oder um den Auftrieb zu beeinflussen. Wasser kann Bewegungen bremsen, doch kann man diese Bremswirkung durch pfeilartiges Gleiten überwinden. Wasser kann hart sein beim Aufkommen mit großen Körperflächen oder beim geschmeidigen Hineingleiten als weich und gefügig empfunden werden. Diese phänomenale Einmaligkeit des Wassers stellt für Kinder und Jugendliche ein nicht austauschbares Erfahrungsfeld für das Erlernen der Schwimmfähigkeit und für ihren Entwicklungsprozess dar (vgl. Hildebrandt-Stramann 2009).
Im Schwimmunterricht werden diese Besonderheiten des Bewegungsraums Wasser meist nicht umfänglich aufgegriffen. Geht es beim Schwimmen in den unteren Klassenstufen nicht selten um eine Wasserbewältigung, die Schülerinnen und Schüler schnell dazu befähigen soll, die Bedingungen für ein Jugendschwimmabzeichen zu erfüllen. Hier bleibt die Frage, ob sich die in der Schule angestrebte Schwimmfähigkeit ausschließlich an normierten Standards orientieren sollte oder ob eine erweiterte, die Vielseitigkeit des Bewegungsraums Wasser berücksichtigende, also eine inhaltlich differenziertere Sicht auf das Schwimmen vonnöten ist.
Im Schwimmunterricht der höheren Klassenstufen hingegen wird häufig großer Wert auf die technische Vermittlung der vier Schwimmstile gelegt. Dabei geht es darum, die Schwimmstile nicht nur technisch optimiert zu erlernen, sondern diese auch in maximaler Geschwindigkeit durchzuführen. In kurzer Zeit möglichst weit oder auch schnell schwimmen, lautet hier die Devise. Sollte neben der notwendigen Vermittlung der vier Schwimmtechniken in den höheren Klassen nicht auch Raum für andere Sinnrichtungen geschaffen werden? Für diese Reduzierung auf Schwimmfähigkeit und Techniken wird neben anderen erschwerenden Bedingungen häufig die knappe Wasserzeit in den Schwimmbädern verantwortlich gemacht, in der man „möglichst schnell möglichst viel schaffen und erreichen müsse.
Mit einer derartigen Thematisierung des Schwimmens in der Schule manifestiert sich zudem ein einseitiger Schwimmbegriff, der besagt, schwimmen kann derjenige, der sich eine bestimmte Zeit in Bewegung im oder auf dem Wasser halten kann; und besonders gut schwimmen kann diejenige, die sich in den bekannten Schwimmstilen besonders schnell im Wasser bewegen kann. Ist es da nicht an der Zeit, sich unter Berücksichtigung der Besonderheiten des Elements Wasser und den sich daraus ergebenden Aufgabenfeldern einem Begriff der „Vielseitigen Schwimmfähigkeit anzunähern?
Nicht alles wird dabei neu sein, vieles wird erinnert werden und man wird aufgefordert, Schwimmunterricht für sich und seine Bedingungen (neu) zu denken und zu entwerfen.
Schwimmen in der Schule
Schwimmen in der Schule ist demnach ein weites Feld. Im Folgenden wird daher versucht, dieses weite Feld mit Hilfe einiger Ambivalenzen innerhalb derer sich das Schwimmen in der Schule bewegt und mit denen sich auseinanderzusetzen lohnt, deutlicher zu fassen.
Zwischen Notwendigkeit und erschwerten Bedingungen
„Wir teilen uns das Becken mit drei anderen Klassen. Ein Lehrschwimmbecken gibt es nicht! (Sportlehrerin)
„Das Schwimmen verbraucht zu viele Lehrerstunden! (Schulleiter)
Es ist wohl unstrittig: Menschen sollten sich aktiv im Wasser fortbewegen können. Die Begründung dafür kann der Umstand sein, dass das Landwesen Mensch umgeben ist von Wasser und viele Situationen auftreten können, in denen Schwimmen lebensrettend sein kann. Hinweise für die...

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