2. – 6. Schuljahr

Matthias Jakob

Mit der Klasse an den See

Wie ein improvisierter Schulausflug neue Impulse für den Schwimmunterricht einer Grundschule gibt

Schule ist ein Arbeitsfeld, in dem viele Abläufe geklärt, klar geregelt sind und geplant werden. Manchmal treten allerdings Situationen ein, die einen Geplantes über Bord werfen lassen. Dann muss spontan und flexibel ein neuer Weg eingeschlagen werden, der dann aber auch die Augen für Neues, Ungewohntes, bisher Unvorstellbares öffnen kann. Von so einer unvorhersehbaren Situation und deren Folgen handelt der folgende Beitrag.
Der gescheiterte Schulausflug
Der Ausflug der gesamten Schule in den Tierpark ist schon lange geplant. Nun ist es endlich soweit. Die Kinder stehen erwartungsvoll mit ihrem Rucksack auf dem Rücken gemeinsam mit den Klassenkameraden geordnet auf dem Schulhof. Alle warten auf die vier gebuchten Busse, die uns in den Tierpark befördern sollen. Aber: Die Busse kommen nicht! Ein Anruf bei der Busgesellschaft ergibt, dass die Busse, anders als vorgemerkt, erst in zwei Stunden vor Ort sein können. Nach einigem Hin und Her stornieren wir unsere Busfahrt. Es ist den Kindern und Lehrkräften nicht zuzumuten, so lange zu warten. Außerdem bleibt bei so später Abfahrt zu wenig Zeit für den Tierpark. Wir überlegen schnell, was man mit acht Klassen im Ausflugsmodus als Alternative zum Tierpark machen kann. Unterricht kommt nicht in Frage. In der Schule bleiben irgendwie auch nicht.
Die Alternative Alle zum See!
Jemand kommt auf die Idee, zum 3 km entfernten See zu wandern. Dort gibt es auf der Ostseite einen Sandstrand und dahinter ein Stück Wiese. Gesagt getan! Der Schulleiter informiert alle über das neue Ausflugsziel, die Klassen werden aufgestellt: vorn die Kleinen, dahinter die Großen und los geht es. Alle zum See ! Keiner ahnt zu diesem Zeitpunkt, welcher Stein mit dieser Entscheidung ins Rollen kommt.
Der Schulausflug am See
Am See angekommen, haben auf einmal alle Hunger und Durst. Also Picknick am Strand und auf der Wiese. Doch kurz danach spielen bereits die ersten Kinder an der Wasserkante oder sogar schon ein bisschen mit den Füßen im Wasser. Lukas und Katha fühlen mit den Händen, wie warm das Wasser ist. Arne möchte schon barfuß ins Wasser und mit Wasser schießen. Das erlaubt ihm die Lehrkraft nicht. Jana, Colin und Ben suchen einen Platz für ihre geplante Sandburg. „Hier kommt kein Wasser hin; und der Sand ist trotzdem nass! Mit einer in den Sand gezogenen Furche mit Hilfe eines Holzstücks beginnt der Bau eines Staudamms von Ole, Mia, Jette und Florian. Das Wasser zieht an. Immer mehr Kinder wenden sich zum Wasser hin. Sie spielen am Wassersaum, spritzen herum, bauen Kanäle, Staudämme, Minisandburgen ohne Schaufel oder sie suchen am Strand nach Muscheln, Steinen, Holzstücken und anderen Materialien, mit denen sie Kunstwerke im Sand gestalten.
Spielen am und im Wasser
Dadurch, dass kein Kind Badesachen und Handtuch mit sich hat, unterbleiben Fragen nach Baden, Schwimmen oder Ähnlichem. Das soll sich im Laufe des Vormittags jedoch ändern: Es stehen bald die ersten barfuß und in kurzer Hose im Wasser und bauen von der Wasserseite her. Es wird auch mal gespritzt und vergessen, dass man sich im Wasser befindet. Hosen werden nass oder vorsorglich ausgezogen. In Unterhose geht es weiter. Es kommt, wie es kommen musste. Das erste Kind legt sich ins Wasser und schwimmt ein paar Züge. Jetzt wird es Zeit für die an alle gerichtete Ansage: Wenn überhaupt, darf man nur bis zur Hose ins Wasser (in kurzer oder Unterhose). Die Kolleginnen und Kollegen mit Schwimmlehrbefähigung beaufsichtigen das Geschehen im Wasser aufmerksam. Die durch das Fehlen der Badesachen anfängliche Zurückhaltung ist nun vorbei und die Kinder tummeln sich am und im Wasser. Es stört sie nicht, dass sie kein Handtuch mit sich haben. Aber es gibt auch viele Kinder, die das Wasser im See meiden.
Als die Ausflugszeit sich dem Ende neigt, fällt es nicht leicht, alle...

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