11. – 13. Schuljahr

Oliver Peters

Vom Attan zum Squaredance

In einem Unterrichtsvorhaben zu Tänzen rund um die Welt erhalten die Lernenden viel Freiraum bei der Gestaltung ihrer Gruppenchoreografie

„Herr Peters, was machen wir denn als nächstes Thema? Wir wollen mal wieder etwas aus dem Bereich Tanz machen. Können wir dann mal wieder etwas als Gruppe vorbereiten? Ich unterrichte einen Grundkurs in der zwölften Jahrgangsstufe, der neben dem Bereich Gymnastik und Tanz auch noch Badminton im Profil hat. Dabei zeigt sich eine deutlich höhere Motivation im Bereich Gymnastik und Tanz. Im Kurs sind insgesamt 24 Schülerinnen und Schüler, wobei die Mädchen einen deutlichen Überschuss haben (21 Mädchen, drei Jungen). Grundsätzlich können alle gut miteinander arbeiten. Die von den Schülerinnen geäußerte Frage bringt mich dazu, das kommende Unterrichtsvorhaben noch einmal genauer in den Blick zu nehmen und vor allem auch hinsichtlich der Möglichkeiten der Individualisierung und der damit verbundenen Fragestellung der Leistungsbewertung zu durchdenken. Dabei gilt es aus meiner Sicht vor allem folgende Aspekte zu bedenken: Wie kann ich die unterschiedlichen Interessen der Schülerinnen und Schüler berücksichtigen? Wie kann bei einer individualisierten Aufgabenstellung die Leistungsbewertung erfolgen? Wie lässt sich der Prozess in einem Unterrichtsvorhaben aus dem Bereich Tanz beurteilen, der gerade in längeren kreativen Phasen auch mal zum Stocken kommen kann? Wie gehe ich mit der Problematik von Gruppenpräsentationen hinsichtlich der individuellen Leistung um?
In meinem Kurs wissen die Lernenden, dass die Leistungsbewertung breit angelegt ist. Die Gewichtung der einzelnen Bereiche kann sich dabei je nach Schwerpunkt in dem jeweiligen Unterrichtsvorhaben leicht verschieben. Grundsätzlich nimmt aber die motorische Leistung, die sowohl punktuell als auch unterrichtsbegleitend beurteilt wird, etwa 50% der Gesamtnote ein. Wenn am Ende eines Unterrichtsvorhabens eine punktuelle Leistungsüberprüfung erfolgt, gewichte ich diese in der Regel mit 50% der motorischen Leistung, d.h. sie macht 25% der Gesamtnote für dieses Unterrichtsvorhaben aus. Die übrigen 75% beinhalten neben der unterrichtsbegleitenden motorischen Leistung sowohl den Bereich der Kenntnisse und die Mitarbeit in Gesprächs- und Übungsphasen als auch soziale und motivationale Komponenten. Dieser Bereich ist häufig schwierig zu erfassen, lässt sich aber über Kriterien, die sich aus der Übersicht ergeben, konkret beurteilen. Dazu ist allerdings eine Anpassung an das jeweilige Thema erforderlich, um den Schülerinnen und Schülern die notwendige Transparenz für die Notengebung zu liefern. K1
In diesem Vorhaben hat der Bereich „Selbstorganisation und Motivation eine hohe Bedeutung, da die Lernenden in Gruppen über einen langen Zeitraum eigenverantwortlich arbeiten. Das erfordert aber eine aufmerksame Prozessbeobachtung meinerseits. K2
Tänze kennenlernen
Das Bewegungsfeld Tanzen umfasst ganz unterschiedliche Stilrichtungen. Wir finden dort die Volkstänze, die Gesellschafts- und Modetänze, Jazzdance und den großen Bereich des Modern Dance. Bisher haben die Schüler nur den brasilianischen Kampf-Tanz Capoeira kennengelernt, sodass noch vielfältige Akzentuierungen möglich sind. Daraus leite ich für mich ab, dass diese Weite meinem Kurs auch eröffnet werden könnte. Also strukturiere ich das Vorhaben in zwei größere Blöcke. Im ersten Block, der schwerpunktmäßig von mir gestaltet und angeleitet wird, lernen die Schülerinnen und Schüler exemplarisch Tänze aus den oben genannten Bereichen kennen. Sie beschäftigen sich dabei mit dem Grundschritt im RocknRoll, ausgewählten Isolationstechniken im Jazzdance und einem einfachen Squaredance als Beispiel für einen Volkstanz. Dabei sind alle Kursteilnehmer mit großem Eifer dabei, haben in den einzelnen Bereichen erste Erfolgserlebnisse und erfahren zudem den grundsätzlichen Charakter dieser unterschiedlichen Formen.
Für die...

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