3. – 5. Schuljahr

Frank Amrhein/Florian Borchert

Mit der Poolnudel fechten

Möglichkeiten einer prozessbezogenen Leistungsbewertung im Rahmen eines Unterrichtsvorhabens zum Thema „Ringen und Kämpfen

Das Unterrichtsvorhaben zum Fechten mit der Poolnudel wurde in der Primarstufe (Klasse 3 und 4) und der Erprobungsstufe (Klasse 5 und 6) durchgeführt. Das übergeordnete Ziel des Vorhabens ist es, im Rahmen des Eins-gegen-Eins-Fechtens den Gegner mit der Poolnudel zu treffen und Treffer zu verhindern. Die einzelnen Unterrichtseinheiten des Vorhabens sind immer so aufgebaut, dass ein Input in Form von Aufgabenstellungen verbunden mit einer Beobachtungs- bzw. Reflexionsaufgabe alle Schülerinnen und Schüler als Akteure, Beobachter oder Schiedsichter schnellstmöglich aktiv in das Unterrichtsgeschehen einbindet (vgl. Achtergarde, 2015). Für die Lehrkraft ergeben sich durch die Eigenaktivität der Schülerinnen und Schüler immer wieder Phasen, in denen sie die Gruppe bzw. einzelne Lernende beobachten kann, um Lernprozesse zu begleiten und eine prozessbezogene Leistungsbewertung durchzuführen.
Das Vorhaben ist in zwei aufeinander aufbauende Phasen aufgeteilt: Phase 1 umfasst einen Showkampf und Phase 2 das Eins-gegen-Eins-Fechten mit Schiedsrichter/in. Hierbei wird es den Schülerinnen und Schülern ermöglicht, sich in unterschiedlichen Kampfsituationen mit der halbierten Poolnudel ohne direkten Körperkontakt zu messen und zu kooperieren.
Unterrichtsvorhaben Phase 1: der Showkampf
Das grundlegende Ziel dieser Phase ist die Gewöhnung an die Gerätehandhabung. Zunächst werden den Schülerinnen und Schülern daher die vier grundlegenden Regeln für eine sichere Handhabung der Poolnudel demonstriert.
  • Kopf- und Halstreffer sind tabu
  • Die Poolnudel wird nicht wie ein Autoscheibenwischer hin und her bewegt
  • Die Poolnudel wird nur mit einer Hand geführt
  • Mit der Poolnudel wird nicht auf Personen oder Gegenstände „geschlagen
Nach der Regeldemonstration erfolgt zunächst eine Phase der Gerätegewöhnung. Im Anschluss erlernen Schülerinnen und Schüler elementare Angriffs- und Abwehrtechniken. K1
K1 | Hinweise zu den Techniken
K1 | Hinweise zu den Techniken
Für das Erlernen der fechsportspezifischen Angriffstechniken orientiert sich das Vorhaben an Halbauer (2015, S. 61). Die grundlegende Angriffsform beim Poolnudelfechten ist der Stoß mit der Poolnudel in Richtung Rumpf. Die Bewegungen des Handgelenks und des Arms sind dabei so klein wie möglich, um der/dem Gegner/in keine Trefferfläche zu präsentieren. Man unterscheidet beim Fechten zwischen freien Angriffen und Klingenangriffen. Bei einem freien Angriff wird die gegnerische Klinge nicht berührt. Bei einem Klingenangriff wird zunächst versucht, die gegnerische Klinge zu beseitigen, bevor der eigentliche Angriff erfolgt.
Freie Angriffe
  • Direkter Angriff: Vorwärtsbewegung der Poolnudel (Stoßen) durch einfaches Armstrecken mit und ohne Beinarbeit.
  • Indirekter Angriff: Vorwärtsbewegung der Poolnudel mit gleichzeitiger Umgehung der gegnerischen Poolnudel.
Klingenangriffe
Bindungsangriff: Die gegnerische Poolnudel wird gebunden und durch Druck seitlich abgelenkt. Vor dem Endstoß wird der Poolnudelkontakt gelöst.
Beim Erlernen der elementaren Abwehrtechniken (Paraden) orientieren wir uns an Barth (2009) und Szepesi (2008). Beim Poolnudelfechten ist der Angriff von oben (führend über Kopf) nicht erlaubt, sodass es hier im Gegensatz zum Fechtsport nur vier Paraden gibt, die die eigene Trefferfläche vor Angriffen von Links und Rechts (Sixt und Quart), von unten links bzw. unten rechts (Oktav und Septim) schützen (vgl. Fotos ).
Den Abschluss dieser ersten Unterrichtsphase bildet ein etwa 30 Sekunden langer Showkampf, den die Schülerinnen und Schüler unter Berücksichtigung der erlernten Angriffs- und Abwehrtechniken in Kleingruppen erarbeiten und präsentieren (Material 3 und 4 ).
Phase 2: Eins-gegen-Eins-Fechten mit Schiedsrichter/in
Die grundlegenden Ziele der zweiten Phase sind
  • das...

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