1. – 13. Schuljahr

Petra Guardiera

Leistungen bewerten

Herausforderungen und Perspektiven der Leistungsbewertung im kompetenzorientierten Sportunterricht

Leistungen zu bewerten, stellt für Sportlehrerinnen und Sportlehrer eine zentrale Aufgabe dar. Doch obwohl diese Aufgabe beinahe täglich und meist routiniert erfolgt, hinterlässt das Bewertungsergebnis zuweilen das Gefühl, den Lernenden individuell nicht gerecht geworden zu sein. Gründe hierfür liegen beispielsweise im Wissen um die Bedeutung körperlicher Voraussetzungen für das Gelingen oder Misslingen von Bewegungsaufgaben, oder aber in der Schwierigkeit, individuelle Entwicklungsfortschritte angemessen in der Bewertung zu berücksichtigen. Der pädagogisch wertvolle Umgang mit Leistungsprozessen einerseits und Leistungsergebnissen andererseits stellt Sportlehrkräfte demnach vor Herausforderungen, die für den Sportunterricht in besonderer Weise kennzeichnend sind.
Seit der sogenannten Kompetenzwende Mitte der 2000er-Jahre erfährt der Umgang mit Leistungen im Sportunterricht nun einen weiteren Bedeutungszuwachs: In einem kompetenzorientierten Unterricht sind Unterrichtsziele neben einem Erwerb fachlichen Wissens und Könnens ebenso an der Entwicklung überfachlicher Fähigkeiten und Fertigkeiten ausgerichtet. Das bedeutet, dass Wissen und Können nun ausdrücklich um zusätzliche Leistungsdimensionen erweitert werden, die bei der Leistungsbewertung ebenso zu berücksichtigen sind. Überdies stellt sich der Kompetenzerwerb als prozesshaft dar. Die je individuelle Entwicklung der Schülerinnen und Schüler in den unterschiedlichen Leistungsdimensionen ist im Rahmen der kompetenzorientierten Leistungsbewertung demnach ebenfalls mit einzubeziehen.
Der Beitrag stellt im Folgenden heraus, welche Bedeutung die Mehrdimensionalität von Leistungen und die Prozesshaftigkeit des Kompetenzerwerbs im Detail für die Bewertungspraxis im Sportunterricht haben und inwiefern gerade in den Herausforderungen einer kompetenzorientierten Leistungsbewertung Möglichkeiten für einen pädagogisch wertvollen, zufriedenstellend(er)en Bewertungsprozess liegen.
Überlegungen zum Leistungsbegriff
Der Begriff der Leistung kann unterschiedlich ausgedeutet werden. Leitend für die nachfolgenden Überlegungen sind pädagogische Zusammenhänge, die für Unterricht konstitutiv sind. Dies meint nach Bohl (2001), dass Leistung im Rahmen einer vertrauensvollen Beziehungsstruktur zwischen allen Beteiligten sowie innerhalb kooperativer und solidarischer Unterrichtsarrangements erfolgt und sich in vielfältigen Dimensionen zeigt. Leistung stellt immer einen individuellen Prozess dar, der vielfältiges Anregungspotenzial sowie institutionelle und systematische Unterstützung benötigt (ebd.). Vor dem Hintergrund eines solchen Verständnisses geht es darum, anzuerkennen: Schüler und Schülerinnen unterscheiden sich beispielsweise in ihren Interessen, motivationalen Voraussetzungen oder motorischen Lern- und Leistungsvoraussetzungen. Dies erschwert den direkten Leistungsvergleich oftmals und lässt ihn wenig sinnvoll erscheinen. So verdeutlicht das Beispiel zweier höchst unterschiedlich leistungsstarker Schüler, die ein gemeinsames, wettkampforientiertes Badmintonspiel mit den Worten abbrechen „Mit dir zu spielen macht keinen Spaß, du strengst dich nicht an! und „Ich habe keine Lust mehr, du gewinnst sowieso! (Erdmann, 1993, S. 11) die pädagogische Relevanz, die unterrichtlichen Leistungssituationen innewohnt. Denn das Leistungsergebnis der beiden Schüler hängt angesichts der aufgabenbezogenen Bedingungen wie in diesem Fall der Aufgabenschwierigkeit von ihren individuellen Voraussetzungen ab.
Aus einem solchen pädagogischen Blickwinkel differenziert Erdmann (1993) den Leistungsbegriff, indem er zwischen dem Leisten als dem Vollzug und der Leistung als dem Ergebnis absichtsvoller Handlungen von Schülerinnen und Schülern unterscheidet (ebd., S. 13). Der Vollzug meint dabei den Prozess, der die selbstverursachte Handlung...

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