7. – 8. Schuljahr

Gesa Rottmann

Wow, ist das hoch

In Vorbereitung auf ein Unterrichtsvorhaben zum Hochsprung setzen sich die Schülerinnen und Schüler individuell mit verschiedenen Wagnissituationen auseinander

Jedes Mal, wenn ich das Thema Hochsprung ankündige, sind die Reaktionen der Schülerinnen und Schüler sehr ähnlich: „Was? Hochsprung?, „Ich kann ja noch nicht einmal Weitsprung! „Wie soll man denn über die Latte kommen? „Ich bin doch viel zu klein! „Ich habe doch gar nicht so viel Kraft in den Beinen! Meine Versicherung, dass wir uns Schritt für Schritt dieser neuen Disziplin nähern, trägt nicht unbedingt zur Beruhigung bei.
Ich vermute, die abwehrende Haltung liegt darin begründet, dass die Lernenden Schwierigkeiten haben, sich mit einer neuen Bewegung auseinanderzusetzen, insbesondere, wenn es um eine komplexe Bewegung wie den Fosbury Flop geht. Die meisten können nicht auf Erfahrungen zurückgreifen, da es sich um eine neue Technik handelt. Daher habe ich beschlossen, meinem Unterrichtsvorhaben zum Hochsprung eine Doppelstunde voranzustellen, in der sich die Schülerinnen und Schüler mit unbekannten Situationen im Allgemeinen auseinandersetzen sollen. Diese erfordern die Fähigkeit, sich und seine individuellen Grenzen einzuschätzen und zu erweitern. Es gilt, das Unbekannte als eine positive Herausforderung anzunehmen und sich damit auseinanderzusetzen. Der Dialog mit sich und der jeweiligen Station, mit der eigenen Entscheidung, spielt ebenso eine zentrale Rolle wie das Setzen und Akzeptieren eigener Grenzen.
Für dieses Vorhaben habe ich einen Stationsbetrieb gewählt, der allerdings nichts mit der Technik des Flops zu tun hat, sondern mit Springen im Allgemeinen. In Kleingruppen durchlaufen die Schülerinnen und Schüler vier unterschiedliche Herausforderungen, bei denen sie von einer selbst gewählten Höhe abspringen, über ein Hindernis springen, eine bestimmte Weite springen, oder auf einem schmalen Grat balancieren. Es geht weniger um motorisches Können, sondern um ein sich einlassen auf eine neue, subjektiv empfundene wagnisreiche Situation.
Springen als sportliche Herausforderung annehmen
Ich eröffne die Sportstunde mit der Frage: „Was ist eine sportliche Herausforderung für dich? In einem Blitzlicht sollen sich die Schülerinnen und Schüler spontan äußern. Nicht allen fällt in der Kürze der Zeit dazu etwas ein. Bisher haben sie sich darüber vermutlich keine Gedanken gemacht und keine sportlich herausfordernden Situationen von selbst aufgesucht. Einige beziehen die Herausforderung auf Fitness, andere sagen einfach nur, dass sie toll sei. Max hat für sich schon eine klare Definition und bezieht Herausforderung auf etwas Unbekanntes: wenn ich etwas nicht kenne und noch nie gemacht habe. Bei Ben ist eine Herausforderung nur dann möglich, wenn man sich ein Ziel setzt und es erreichen möchte. Pia, Annelie und Vicky definieren Herausforderung als die Möglichkeit, etwas für die Gesundheit und den Körper zu tun. Antonia findet Herausforderungen wichtig, da sie motivieren können, aber nur so lange die Anforderungen nicht zu hoch sind.
Als nächstes möchte ich wissen, ob Hochsprung für sie eine Herausforderung darstellt, was von vielen mit einem stummen Kopfnicken beantwortet wird. Ich frage nach den Gründen und bekomme Erklärungen wie: „Es gibt einen genauen Ablauf der Bewegung, damit es klappt und: „Man braucht viele Beinmuskeln dafür, und schließlich „man kann sich verletzen. Ich möchte wissen, ob sich jemand schon beim Hochsprung verletzt hat, oder wie man sich denn beim Hochsprung überhaupt verletzen kann. Darauf können die Schülerinnen und Schüler nicht antworten, da ja keiner bisher Hochsprung ausprobiert hat, sie können lediglich über mögliche Verletzungen spekulieren. Sie vermuten schmerzhafte Folgen, wenn man gegen die Latte springt oder falsch auf der Matte landet.
Die Herausforderung einschätzen
Ich erkläre den Schülerinnen und Schülern, dass wir uns in der heutigen Stunde an...

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