7. – 13. Schuljahr

Monique Krause/Arne Schumann

Vom Werfen zum Stoßen

Schülerinnen und Schüler erarbeiten sich die Einflussfaktoren der Wurfweite, vergleichen sie mit den Einflüssen auf die Stoßweite und entwickeln die Stoßauslage im Kugelstoßen

Traditionell erlernen Kinder zunächst das Werfen und erst später, oftmals im Zuge des Schulsports, das Stoßen. Bei manchen Lernenden ist das Werfen bereits negativ konnotiert ist, weil das Wurfgerät, „einfach nicht so recht weit fliegen will wie bei den anderen. Dieser Negativtrend setzt sich dann beim Stoßen häufig fort. Lernende mit ausgeprägteren Wurferfahrungen können diese leicht auf die neuen Wurfgeräte übertragen und schnell zu vorzeigbaren Ergebnissen gelangen, während andere keinen Zugang zum Werfen finden. Auf diese Weise verstärken sich die Leistungsunterschiede und verursachen eine ungenügende Motivationslage zum Erlernen einer neuen Technik.
In unserem Beitrag zeigen wir einen methodischen Weg, wie ein thematischer Wechsel vom Werfen zum Stoßen gestaltet werden kann. So ergibt sich für die Lernenden kein inhaltlicher Bruch, sondern eine nachvollziehbare Übertragung bekannter biomechanischer Prinzipien auf eine für sie unbekannte Technik. Gleichzeitig werden den Schülerinnen und Schüler die Unterschiede zwischen dem Werfen und Stoßen bewusst. Diese Vorgehensweise erleichtert insbesondere leistungsschwächeren Lernenden die Gewöhnung an das neue Gerät und ermöglicht ihnen einen Zugang zum Stoßerlebnis.
Biomechanische Faktoren des Werfens
In unserer Klasse hat bisher nur eine Schülerin, die Mitglied eines Leichtathletikvereins ist, Kugelstoßerfahrungen machen können. Die anderen Schülerinnen und Schüler sind dagegen unerfahren auf diesem Gebiet. Was sie für die Reihe mitbringen, ist das Wissen über die Grundtechnik des Ballweitwurfs aus vorherigen Klassenstufen. Deshalb dient die Thematisierung des Ballweitwurfs auf der einen Seite der Wiederholung. Auf der anderen Seite soll die Vermittlung der biomechanischen Faktoren des Ballweitwurfs im Sinne einer Progression im Vordergrund stehen. Beides gelingt, indem die Schülerinnen und Schüler unterschiedliche Würfe absolvieren. Nach einer Erwärmung charakterisieren wir den Ballweitwurf. Dafür wirft die Leichtathletin Katharina einen Ball und ihre Mitschüler beobachten ihre Armbewegung in Relation zum Ball. Im Anschluss daran erfolgt ein Zonenweitwurf. Die Lernenden erhalten die Aufgabe, in Partnerarbeit unterschiedliche Distanzen zu werfen und dabei ihre Wurfbewegung in Relation zur Distanz zu beobachten.
Kontrastübungen zum Werfen
Auf die Frage „Wie verändert sich die Wurfbewegung in Bezug zur Wurfdistanz? antworten die Schüler und Schülerinnen, dass bei einer weiteren Distanz die „Bewegungen größer werden. Sie erläutern, dass „die Ausholbewegung des Arm länger wird und „man größer wird und der Körper weiter gestreckt wird.
Daraus ergibt sich die Fragestellung, welche Faktoren die Wurfweite bestimmen. Zwei Schüler äußern erste Vermutungen und übertragen die vorherigen Antworten: So stellt Michael fest, dass der Arm lang sein muss und Toni, dass man sich strecken muss. Die Lernenden sollen Michaels und Tonis Aussagen überprüfen und bearbeiten in Partnerarbeit Kontrastaufgaben an Stationen. Sie führen unterschiedliche Würfe aus und bewerten sie unter Berücksichtigung der Wurfweite. Dafür muss die Lehrkraft im Vorfeld die Distanzen in fünf Meter Abständen abstecken (Material 1: Stationen ).
Reflexion und Ergebnissicherung
Für die anschließende Reflexion hängen wir die Stationskarten so an die Wand, dass alle Lernenden diese sehen können. Zunächst sollen sie beschreiben, in welchem Feld der Stationskarte die meisten Punkte sind. Daraufhin fordere ich die Schüler und Schülerinnen auf, Michaels und Tonis Aussagen zu Stundenbeginn mit den Ergebnissen zu vergleichen. Einstimmig beschließen die Lernenden: Beide hatten Recht. Die Äußerungen werden auf einem Plakat festgehalten. Mithilfe der Ergebnisse der...

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