1. – 13. Schuljahr

Eckart Balz

Rezension

Vielfältiges Sportengagement im Längsschnitt

Katrin Albert (2017)
Sportengagement sozial benachteiligter Jugendlicher. Eine qualitative Längsschnittstudie in den Bereichen Freizeit und Schule. Schriftenreihe des Centrums für Bildungsforschung im Sport, Band 10.
Wiesbaden: Springer VS.
668 Seiten, 79,99 €.
Kinder und Jugendliche sind in unterschiedlicher Weise auf ganz verschiedenen Feldern des Sports mehr oder weniger engagiert: Sie nehmen an insgesamt etwa 1000 Stunden schulischen Sportunterrichts teil, sind vielleicht noch im außerunterrichtlichen Schulsport aktiv und auch in informellen Settings des Freizeitsports unterwegs, treiben Sport im Verein und nutzen womöglich kommerzielle (Fitness-)Sportangebote. Im vorliegenden Band „beleuchtet die Autorin drei Felder sportlicher Aktivität Sportunterricht, organisierten Freizeitsport und informellen Freizeitsport simultan und in ihren Verknüpfungen, mit diesen Worten wird die Studie auf dem Buchrücken charakterisiert.
Eine der Besonderheiten, die den Band auszeichnen, ist hiermit genannt: Die spezifischen Sportengagements werden erstens nicht wie so oft isoliert, sondern in ihrem Verweisungszusammenhang betrachtet. Diese Betrachtung erfolgt zweitens nicht wie meist im Rahmen einer Querschnittuntersuchung, sondern als aufwändigerer und aussagekräftigerer Längsschnitt. Drittens fokussiert diese Längsschnittstudie wie noch zu selten eine besonders bedürftige Klientel, nämlich sozial benachteiligte Jugendliche.
Mit solcher Programmatik geht der Band von Katrin Albert, die in Jena studierte, in Hamburg promovierte und jetzt an der Humboldt Universität Berlin als wissenschaftliche Mitarbeiterin tätig ist, an den Start. Den Startschuss geben die Reihenherausgeber Michael Krüger und Nils Neuber mit ihrem Vorwort, in dem sie für den Kontext von sozialer Ungleichheit, von Bildungschancen und pädagogischen Möglichkeiten des Sports sensibilisieren. Die Autorin selbst markiert in ihrer Einleitung das Problem ungleicher Sportpartizipation und das Forschungsziel, insbesondere die Sportengagements sozial benachteiligter Jugendlicher „mit Hauptschulbildung ab dem zwölften Lebensjahr drei Jahre lang mittels qualitativer episoden- und themenfokussierter Interviews in ihrem Aufwachsen (S. 20) genauer zu untersuchen.
Die Untersuchung verbindet psychologische, soziologische und pädagogische Zugänge, mit denen subjektive Handlungs- und Erfahrungszusammenhänge der Akteure in den Blick genommen werden. Dafür liefert Kapitel 2 eine theoretische Rahmenkonzeption: Hierzu werden begriffliche Einordnungen vorgenommen, entwicklungs- und sozialisationstheoretische Annahmen entfaltet sowie Merkmale der Lebensphase „Jugend bestimmt und soziale Ungleichheiten im Jugendalter ausführlich dargelegt. Daraus leitet die Verfasserin zentrale Fragen für die eigene Untersuchung ab wie: „Welches sind förderliche und hinderliche Erfahrungen und Bedingungen für eine längerfristige Sportpartizipation von Jugendlichen mit Hauptschulbildung? (S. 117)
Im dritten Kapitel wird das Untersuchungsdesign erläutert und der qualitative Längsschnitt mit neun Jugendlichen (plus fünf Dropouts) hinsichtlich der Datenerhebung und Datenauswertung bis hin zu vertiefenden wie kontrastierenden Fallinterpretationen nachvollziehbar vorgespurt. Kapitel 4 dient sodann einer Deskription des Forschungsfeldes zum besseren Kontextverständnis: mit Kurzportraits der neun Jugendlichen, den Benachteiligungsdimensionen (z.B. Schulkarriere) und subjektiv bedeutsamen Jugendthemen (z.B. Peer-Beziehungen).
Die Kapitel 5, 6 und 7 beinhalten schließlich die ebenso detaillierten wie umfänglichen Untersuchungsergebnisse für jedes Handlungsfeld:
Für das informelle Freizeitsportengagement wird sichtbar: Bei allen Befragten spielt es in mehreren „Sportarten (Radfahren, Fußball, Beachvolleyball, Skaten etc.) peerbezogen durchaus eine Rolle, aber die Rahmungen, Unterstützungs- und...

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