10. – 13. Schuljahr

Christopher Meier/Michael Buhl

Speerwerfen, wie ich es sehe

Lernende eines Oberstufenkurses entwickeln individuelle bildhafte Anweisungen beim Speerwerfen und beurteilen sie im Hinblick auf ihre Übertragbarkeit

„Können Sie das nochmal erklären, das habe ich so jetzt nicht verstanden. Diese oder ähnliche Aussagen von Schülerinnen und Schülern habe ich schon häufig gehört. Dabei bin ich mir oft sicher gewesen, dass meine Bewegungsanweisungen auch wirklich bei den Lernenden ankommen und von ihnen umsetzbar sind. Im Unterricht wird mir immer wieder bewusst, dass trotz einer Vielzahl von Korrekturen und Hilfen eine Anwendung meiner Vorschläge vor allem dann schwierig ist, wenn es um eine solch komplexe Technik wie den Speerwurf geht. Auf Erfahrungen kann bei den Schülern und Schülerinnen häufig kaum zurückgegriffen werden, Auch leichtathletische Begriffe, wie Impulsschritt oder Wurfauslage, sind den Lernenden nicht geläufig. Ob eine gut gemeinte sprachliche Anweisung erfolgversprechend ist, hängt nicht nur von einer vermeintlich „richtigen Anweisung ab. Alle haben individuelle Bewegungsprobleme und gehen unterschiedlich mit Bewegungsanweisungen um.
Es stellt sich also die Frage, was den Lernenden mitgegeben werden kann, damit sie ihren Lernprozess individuell gestalten und selbstständig organisieren können. Natürlich brauchen sie Wissen über die Struktur und Funktion der Speerwurfbewegung, aber vor allem auch Anregungen und Tipps, wie sie sich selbstständig verbessern können.
Da alle Schülerinnen und Schüler einen unterschiedlichen Erfahrungshorizont aus verschiedenen Sportbereichen mitbringen, sind differenzierte Angebote und Aufgabenstellungen nötig. Unsere Unterrichtsidee soll allen eine positive Leistungserfahrung ermöglichen. Dies bedeutet, dass zum einen individuelle Lernziele gesetzt und zum anderen, individuelle Unterstützungsmöglichkeiten bereitgestellt werden müssen. (K1)
K1 | das vorhaben im Überblick
K1 | das vorhaben im Überblick
1. Stunde: Weg damit! Wurferfahrungen mit unterschiedlichen Gegenständen sammeln
2. Stunde: (Theorie) So siehts aus (1) Bilderreihe zum Speerwurf erläutern und Phasenstrukturen zuordnen
3. Stunde: Das ist es! Annäherung an die Hauptfunktionsphase und Beurteilung anderer Bewegungsausführungen
4. Stunde: (Theorie) So siehts aus (2) Entwicklung von bildhaften Anweisungen zum Speerwerfen anhand von Kriterien
5. Stunde: Das muss ich machen! Bildhafte Anweisungen zum Speerwerfen erproben und beurteilen
6. Stunde: (Theorie) Wie gehts am besten? Vergleich von Bewegungsbeschreibungen und bildhaften Anweisungen
7. Stunde: Das mach ich (1) Individuelle Verbesserung der Speerwurfbewegung durch selbst gewählte Anweisungen/Korrekturhilfen
8. Stunde: Das mach ich (2) Verbesserung der Gesamtkoordination durch Wiederholung
9. Stunde: Leistungsabnahme Speerwerfen
Bildhafte Anweisungen entwickeln
„Stell dir vor, du würdest an der Speerspitze riechen, das ist doch ganz logisch, meint Iven, als er versucht, die Speerrückführung anschaulich zu beschreiben. Um die Aneignung von Bewegung positiv zu beeinflussen, werden solche bildhaften Anweisungen als weitere Möglichkeit der Bewegungshilfe eingesetzt. Oft werden diese Anweisungen von Lehrerinnen und Lehrern ganz unbewusst verwendet. Bildhafte Instruktionen wie „Stell dir vor, dass du die Wolken abwerfen willst oder „Tu so, als ob du ein Foto machen würdest beim Pritschen im Volleyball beziehen sich nicht zwingend auf Gelenkstellungen und exakte Beschreibungen der Bewegungsausführung. Bildhafte Anweisungen sind zwar funktional auf eine oder mehrere Phasen der Bewegung ausgerichtet, lassen aber trotzdem Handlungsspielraum und regen dazu an, eine eigene Bewegungsvorstellung zu erzeugen. Der Vorteil dieser Anweisungsvariante liegt zudem darin, dass auf Vorwissen aus anderen Bewegungsbereichen zurückgegriffen wird. Ähnliche, vielleicht sogar bereits beherrschte, Handlungen wie das Werfen eines Balls können...

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