1. – 13. Schuljahr

Astrid Kämpfe/Sabine Reuker

Laufen, Springen, Werfen

Individuelle Leistungserfahrungen im Bewegungsfeld Laufen, Springen, Werfen ermöglichen und reflektieren

I: Siehst du Sport unter der Leistungsperspektive? R: Ja Hochsprung oder so schon, ja Hochsprung das kann ich halt. Da sind halt ungefähr 5 Leute, die für Leistung sorgen, da ist dann halt auch Wettkampf da; das ist dann schon gut. Da war halt echt eine Konkurrenz da und das hast du dann gemerkt, dass ein gewisser Wettkampf vorhanden war. Also fast die ganze Klasse war weg bei ungefähr 1,451,50 m und dann waren wir bloß noch zu fünft und sind dann immer höher gesprungen, immer höher. (). Also das war ganz gut (Miethling & Krieger, 2004, S. 112).
Diese beispielhafte Darstellung einer Unterrichtssequenz verdeutlicht zwei typische Facetten des Bewegungsfeldes Laufen, Springen, Werfen: Zum einen wird ein sportlicher Wettkampf beschrieben. Wenngleich sich das Bewegungsfeld nicht auf den Leistungsvergleich reduzieren lässt, dominiert diese Perspektive recht häufig den Unterricht. Unterrichtseinheiten münden nicht selten in einer den Leistungsfortschritt oder den Leistungsstand überprüfenden Messung. Zum anderen wird hier mit der Sportart Hochsprung eine klassische Wettkampfdisziplin thematisiert. Auch wenn inzwischen vermehrt andere Inhalte sowie Vielseitigkeitswettkämpfe das Bewegungsfeld erweitern und bereichern, zeigt sich im alltäglichen Unterrichtsgeschehen weiterhin die Dominanz traditioneller leichtathletischer Disziplinen (vgl. Brand, 2012).
Das Beispiel ist aber noch aus einer anderen Perspektive interessant: Der Schüler bewertet den Leistungsvergleich durchaus positiv und zeigt, dass der sportliche Wettkampf um Sieg und Niederlage auch unter Schülern und Schülerinnen Anhänger findet. Versetzt man sich aber in die Lage derjenigen, die nicht zu den besten fünf Springern gehören, verdeutlicht dieses Beispiel auch die Ambivalenz der Leistungsperspektive. Es lässt sich annehmen, dass eher diejenigen einen Leistungsvergleich begrüßen, die eine aussichtsreiche Chance auf den Sieg oder auf einen der ersten Plätze haben. Andere, denen grundlegende motorische Voraussetzungen und vor allem wettkämpferische Erfahrungen fehlen, bleiben häufig auf der Strecke.
Die hier angedeutete Problematik ist Ausgangspunkt der weiteren Überlegungen. Hierzu soll zunächst das pädagogische Potenzial der Leistungsperspektive sowie ihre Ambivalenz kritisch reflektiert werden. Der Wettkampf als besondere Form des Leistens stellt mit seinem sichtbaren Leistungsvergleich einen besonders sensiblen Aspekt dieser Perspektive dar. In einem Exkurs zu den Grundgedanken der Olympischen Erziehung wird dem begegnet, indem auch über die Leistungsperspektive hinausgehende pädagogische Potenziale aufgezeigt werden. Basierend auf den Ausführungen werden abschließend sowohl inhaltliche als auch didaktische Konsequenzen für das Bewegungsfeld abgeleitet, die allen Schülern und Schülerinnen ermöglichen sollen, das Leisten und den Leistungsvergleich unabhängig von ihren unterschiedlichen Voraussetzungen positiv zu erleben.
Leistung und Leisten im Kontext heterogener Voraussetzungen
In der Vergangenheit wurde die Leistungsperspektive bereits ausführlich und kritisch im schulischen oder bildungstheoretischen Kontext diskutiert. Dieser Diskurs soll im Folgenden nicht gänzlich aufgearbeitet, jedoch mit seinen wichtigsten Eckpunkten für den Sportunterricht und damit auch für das Bewegungsfeld Laufen, Springen, Werfen knapp skizziert werden.
Leistung anerkennen
Folgt man den Ausführungen von Klafki (1964), Erdmann (1993, 2004) und Kurz (2017), ist festzustellen, dass der Leistungsperspektive eine zentrale Bedeutung in Bildungs- und Erziehungsprozessen im Allgemeinen sowie im Sportunterricht im Speziellen zugeschrieben wird: Leistung wird als unabdingbare, konstituierende Größe für das Lehren und Lernen beschrieben, die jungen Menschen zukunftsrelevante Entwicklungsmöglichkeiten...

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