10. – 13. Schuljahr

Silke Köster

Hürdenlauf in Bildern

Wie Geldstücke und Kellerfenster bei der Entwicklung einer funktionellen Hürdensprinttechnik helfen

Wie kann ich meine Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe II für den Hürdenlauf, eine technisch hoch anspruchsvolle Disziplin, begeistern? Wie kann ich ihnen Anreiz schaffen, eine optimale Technik zu erlernen, ohne einfach nur externe Bewegungsnormen zu kopieren? Diese Fragen gehen mir während der Planung des Unterrichtsvorhabens für meinen Grundkurs in der gymnasialen Einführungsphase durch den Kopf. Die Lösung: Graben überwinden, Geldstück heruntertreten, Kellerfenster durchlaufen, über einen Sattel schwingen, Luftballon zertreten, nicht auf einer heißen Herdplatte verweilen! Was auf den ersten Blick zunächst verwirrend klingen mag, bietet den Lernenden auf den zweiten Blick eine gute Möglichkeit, sich anhand von bildlichen Bewegungsvorstellungen den komplexen Technikmerkmalen der Hürdenüberquerung anzunähern. Jede Schülerin und jeder Schüler soll eine möglichst optimale Hürdensprinttechnik entwickeln. Dabei verlasse ich mich auf eine induktive Vorgehensweise: ausprobieren, beobachten, reflektieren und schlussfolgern. In sieben Doppelstunden erarbeitet sich die Lerngruppe in Anlehnung an das 3-Phasen-Modell des motorischen Lernens zunächst die Grobform der Technik und gelangt über die Feinform bis zur Stabilisierung. (K1 , K2 ) Vor der Durchführung des Unterrichtsvorhabens bin ich gespannt: Werden alle erfolgreich die Hürdensprinttechnik umsetzen können?
Von der Grobform
In den ersten drei Unterrichtsstunden arbeiten die Schülerinnen und Schüler an der Grobform, also am Erwerb des Grundablaufs der Bewegung. Zu Beginn lernen sie das 3-Phasen-Modell als zentral begleitendes Element des Unterrichtsvorhabens kennen. Dann bauen sie auf dem Boden liegende Seile, Gymnastikstäbe, Hütchen, Bananenkisten sowie Trainingshürden auf und testen sich in diesem „Hürdenwald. Welche Hindernisse kann ich schon jetzt überwinden? Mit welchen Abständen komme ich zurecht? Wo habe ich noch Probleme? Mit diesen Erfahrungen gelingt es den Schülerinnen und Schülern, ihren derzeitigen Lernstand zu ermitteln. Die meisten von ihnen haben lediglich eine grobe Bewegungsvorstellung vom rhythmischen Überlaufen der Hindernisse.
Den Rhythmus finden
Um den Lernenden die Hindernisüberquerung zu erleichtern, erproben sie in der zweiten Stunde verschiedene Zwischenhürdenrhythmen mit unregelmäßigen und regelmäßigen Abständen. Ziel ist es, dass am Ende alle mit dem 3-Schritt-Rhythmus vertraut sind. Mit Kommandos wie „1, 2, 3-hep! oder „ta-tam-ta-tap unterstützen sich die Schülerinnen und Schüler in Partnerarbeit abwechselnd beim Überlaufen der Hürden. Ein Junge merkt schnell: „Ich habe viel zu wenig Platz zwischen den Hürden! und wechselt auf eine Bahn mit größeren Abständen. Er hat seinen individuell passenden Abstand gefunden, ganz allein durch Ausprobieren, Schlussfolgern und Verändern.
Springen oder Überlaufen?
Spannend ist für mich vor allem auch die dritte Stunde. Ich frage meinen Kurs: „Springen oder Überlaufen? Wie überquert ihr die Hürde eigentlich am schnellsten? Alle schauen mich verwirrt an nach dem Motto: „Was ist denn das für eine Frage? Springen natürlich! Also probieren wir es aus. Ich stelle den Schülerinnen und Schülern Kontrastaufgaben wie „Laufe flach über die Hürde und „Springe hoch über die Hürde. Schnell merkt die Lerngruppe: Flach geht eindeutig schneller! Anschließend vertiefen wir die gewonnenen Erkenntnisse in einer Reflexion. Wir stellen fest, dass eine möglichst flache Flugkurve des Körperschwerpunkts über die Hürde grundlegend für eine zeitökonomische Überquerung ist. Außerdem erkennt der Kurs in Bezug auf das 3-Phasen-Modell: Die meisten befinden sich zwischen Phase eins und zwei. Wir müssen an den technischen Feinheiten feilen.
zur Feinform
Gesagt, getan! Jetzt kommen sie endlich zum Einsatz die Metaphern. Diese vierte Stunde stellt...

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