5. – 13. Schuljahr

Förderung braucht Expertise

Martin Giese & Linda Weigelt (Hrsg.)
Inklusiver Sport- und Bewegungsunterricht. Theorie und Praxis aus Sicht der Förderschwerpunkte.
Meyer & Meyer 2017
403 Seiten, 35,00
Nach dem Inkrafttreten der schulgesetzlichen Regelungen zur Inklusion in Deutschland tauchen bei der konkreten Umsetzung in den Schulen durchaus erwartete Schwierigkeiten auf. Schulgesetze können nur die grobe Richtung vorgeben, aber vieles eben nicht im Detail regeln. Beispielsweise mangelt es im inklusiven Sportunterricht derzeit vielerorts an der Ressource sonderpädagogischer Begleitung, Beratung und Bildung. Wie aber sollen Schülerinnen und Schüler mit Beeinträchtigungen im Sportunterricht sozial integriert und individuell gefördert werden, wenn keine sonderpädagogischen Lehrkräfte zur Verfügung stehen oder wenn fachlich nicht ausgebildete Lehrkräfte (keine Sportfacultas) aus der Sonderpädagogik im Sportunterricht tätig sind?
Die Herausgeber, Martin Giese und Linda Weigelt, weisen mit ihrem Sammelband mutig in eine Richtung, die von manchen Vertretern des inklusionspädagogischen Diskurses sicherlich nicht gern gesehen wird: Sie argumentieren ausdrücklich für die Beachtung und Nutzung förderschwerpunktspezifischer Wissensbestände im Kontext professionalisierten pädagogischen Handelns im Schulsport. Damit treten sie Forderungen nach einer „Dekategorisierung entgegen, die den Verzicht auf eine förderschwerpunktspezifische Diagnose und Bezeichnung und die Auflösung sonderpädagogischer Förderzentren und Förderschulen beinhaltet. Martin Giese und Linda Weigelt
sind dabei keine Unbekannten im Feld schulsportlicher Inklusion. In den letzten Jahren haben sie sich mehrfach mit Beiträgen oder Buchpublikationen zu Wort gemeldet.
Der vorliegende Sammelband beinhaltet nach einer thematischen Einführung der beiden Herausgeber acht Kapitel zu den Förderschwerpunkten Lernen, Geistige Entwicklung, Emotionale und soziale Entwicklung, Sprache, Körperliche und motorische Entwicklung, Hören, Chronische Erkrankungen und Sehen. Ein Beitrag zur Leistungsbewertung im inklusiven Sportunterricht rundet den Band ab.
Zentrale Begriffe und Positionen
In ihrer Einführung klären Giese und Weigelt zentrale Begrifflichkeiten und sondieren unterschiedliche Positionen im Inklusionsdiskurs. Diese lassen sich als eine moderate und eine radikale Position pointiert beschreiben. Während die radikale Position beispielsweise die flächendeckende Umsetzung inklusiver Schule fordert, argumentiert die moderate Position für den Erhalt der sonderpädagogischen Förderzentren und für die Inklusion jener Schüler und Schülerinnen, für die der gemeinsame Unterricht tatsächlich förderlich ist. Mit Blick auf den Schulsport schlagen Giese und Weigelt im Weiteren eine Orientierung am internationalen Modell des inclusion spectrums vor. Das Besondere dieses Spektrums ist es, dass inklusiver Sportunterricht auch ein paralleles und separates Bewegen aller Schülerinnen und Schüler beinhalten kann. Damit wird der Gestaltungsraum der Sportlehrkräfte in einem inklusiven Setting beträchtlich vergrößert und nicht zwingend auf das gleichzeitige gemeinsame Bewegen festgelegt,
wie dies beispielsweise das bekannte 6 + 1-Modell von Tiemann vorsieht.
Dieser Einführung folgen dezidierte und detaillierte Ausführungen zu den oben genannten Förderschwerpunkten. Die Autorinnen und Autoren aus der Sonderpädagogik bemühen sich, in ihren Einführungstexten eine Art Basiswissen zu den Förderschwerpunkten zu skizzieren und Empfehlungen für die Gestaltung eines inklusiven Sportunterrichts zu vermitteln. Diese Fachtexte sind auch für Laien gut zugänglich und verständlich. Sie werden jeweils mit Hilfe von Praxisbeispielen aus einem (inklusiven) Sportunterricht ergänzt und konkretisiert, wie wir am Beispiel des Förderschwerpunktes geistige Entwicklung zeigen wollen
Beispielkapitel
Das Kapitel zum „Förderschwerpunkt geistige Entwicklung setzt sich aus einem Einführungstext...

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