10. – 12. Schuljahr

Frowin Fasold/Lena Hammerschmidt

Handball inklusiv

Schülerinnen und Schüler spielen mit und ohne Rollstuhl gemeinsam auf einem Handballfeld

Sportspiel-Unterricht inklusiv zu gestalten, ist eine große Herausforderung. Rollstuhlsportarten bieten jedoch die Möglichkeit, Schülerinnen und Schüler ohne und mit körperlichem Handicap zeitgleich in einem Sportspiel zu unterrichten. Handballspielen im Rollstuhl ist aktuell noch sehr unpopulär (von Keutz, Schwalb, & Fasold, 2016) und es stehen auch selten ausreichend Sportrollstühle zur Verfügung, um ein komplettes Rollstuhlhandballspiel in der Schule umsetzen zu können (12 Rollstühle für zwei Team mit fünf Feldspielern und einem Torwart). Vier bis fünf Rollstühle sind allerdings leichter zu organisieren. Es gibt deutschlandweit eine Vielzahl organisierter Rollstuhlsport-Vereine aus verschiedenen Sportarten, die meist gern bereit sind, Rollstühle zu verleihen.
Lernende im und ohne Rollstuhl auf ein gemeinsames Handballfeld zu schicken, birgt allerdings Verletzungsrisiken. Auch kommt es aufgrund unterschiedlicher Bewegungsgeschwindigkeiten selten zu einem gelungenen Zusammenspiel. In der Spielform Handball-Inklusiv lässt sich dies umsetzen, da das Spielfeld in Zonen aufgeteilt wird. K1
K1 | Handball inklusiv in der Schule
K1 | Handball inklusiv in der Schule
Die Spielform Handball-Inklusiv wurde in der Projektgruppe Rollstuhlhandball an der Sporthochschule Köln entwickelt. Grundlage ist das offizielle Handballregelwerk. Das Spielfeld wird jedoch in drei Längs-Zonen aufgeteilt und die Mittellinie spielt keine Rolle. Zur Markierung der Zonen eignen sich vor allem Floormarker oder rutschfeste Klebeband-Streifen. Hütchen werden nicht verwendet (Verletzungsgefahr!). Größe sowie Beschaffenheit des Spielfeldes und der Tore können angepasst werden. Auch auf stark verkleinerten Spielfeldern ist das Spiel möglich.
Es nehmen fünf Feldspieler und ein Torwart pro Mannschaft am Spiel teil. Fußgänger wie Rollstuhlfahrer dürfen ihre Zonen verlassen, allerdings nur innerhalb ihrer Zonen den Ball spielen. Die Fußgänger dürfen ihre Fußgänger-Zonen frei wechseln. So ist es auch möglich, dass eine Fußgänger-Zone unbesetzt bleibt. Ein Pass-Spiel über die Zonen hinweg ist jederzeit möglich. Berührt ein Fußgänger in der Rollstuhl-Zone oder ein Rollstuhlfahrer in der Fußgänger-Zone den Ball, gibt es einen 6-m-Strafwurf für die andere Mannschaft. Ein Strafwurf wird immer von der 6-m-Linie von einem Rollstuhlfahrer ausgeführt. Wurde ein Tor erzielt, wird das Spiel mit Abwurf vom Torwart weitergeführt.
Umsetzung im Unterricht
Die Umsetzung der Spielform ist für den Unterricht aus zwei Perspektiven interessant: Schüler und Schülerinnen, die aufgrund eines Handicaps an den Rollstuhl gebunden sind, können teilnehmen und Lernende ohne Handicap können die Bewegungsaufgabe im Rollstuhl kennenlernen. Das Inklusions-Verständnis kann damit gestärkt werden. Weiterhin hat das Sportgerät Rollstuhl einen hohen motorischen Anforderungscharakter. Die Spielform kann daher für alle Jahrgangsstufen in den weiterführenden Schulen attraktiv sein, unabhängig davon, ob sich in der Klasse Lernende mit Handicap befinden oder nicht. Im Rahmen des Unterrichtsvorhabens lässt sich mit den Schülern und Schülerinnen vor allem auch der Perspektivwechsel vom Fußgänger zum Rollstuhlfahrer reflektieren. Die Begriffe Rollstuhlfahrer und Fußgänger sind hierbei unabhängig von einem Handicap zu betrachten und beziehen sich einzig auf die Fortbewegungsform.
Die Spielidee wird je nach Alter und Erfahrung der Lernenden im Rahmen von drei oder mehr Doppelstunden umgesetzt. Übergeordnetes Ziel ist es, eine grundlegende Spielfähigkeit zu erarbeiten, die ein flüssiges Spiel miteinander ermöglicht. Die vorgeschlagenen Spiel- und Übungsformen wurden mit einer 10. Klasse durchgeführt, müssen jedoch flexibel auf unterschiedliche Hallen- und Gruppengrößen angepasst werden.
Erste Erfahrungen im Rollstuhl
Voraussetzung...

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