7. – 10. Schuljahr

Christoph Müller

Handball für alle!

Ausgehend von der Spielform Goalcha-Streethandball, werden gemeinsam mit den Lernenden Varianten erarbeitet, die alle gleichermaßen ins Spiel einbinden

Ob beim Fußball oder Handball, in vielen Mannschaftssportarten zeigt sich oftmals das gleiche Problem: Einige dominante, leistungsstarke Lernende preschen vor und übernehmen die Initiative, andere werden fast gänzlich außen vor gelassen. Im Anschluss an solche Stunden zeigt sich dann allerdings, dass diese Schülerinnen und Schüler selbst mit dem Spielverlauf nicht zufrieden sind. Wie kann es also gelingen, alle so zu beteiligen, dass sie einen „echten Beitrag zum Spiel leisten und das Spiel zu einem zufriedenstellenden Erlebnis für alle Aktiven wird?
Die Unterrichtseinheit wurde mit einer Klasse 7 einer Gesamtschule mit dem Profil „Sport durchgeführt. Es gibt viele sportliche Lernende und einige weniger gute. Die Jungen sind größtenteils sehr dominant und wollen sich im Sportunterricht besonders hervorheben. Es gibt ein paar Mädchen, die mithalten können und wollen. Andere hingegen werden durch die Jungen eingeschüchtert und halten sich zurück. Das Ziel ist deshalb, die Schüler und Schülerinnen aufbauend auf der Basisspielform „Goalcha-Streethandball selbst Spielformen entwickeln zu lassen, die es allen ermöglicht, sich aktiv ins Geschehen einzubringen. Die eigenständige Veränderung der Regeln soll dabei nicht nur die „Identifikation der Lernenden mit dem selbst erarbeiteten Spiel, sondern auch die Sensibilisierung für die Notwendigkeit der Einbindung aller Beteiligten im Sportunterricht unterstützen.
Goalcha-Streethandball als Weg
Traditionelle Vermittlungswege setzen technikorientierte Unterrichtstunden vor das Zielspiel, um die sportartspezifischen Fertigkeiten als Grundlage für das Spiel zu legen. Die spezielle Motivation der Schüler und Schülerinnen für Ballsportarten liegt allerdings im Spielerlebnis. Deshalb wurde die Variante „Goalcha-Streethandball als Einstieg gewählt, da sie zwar die Spielidee beibehält, ansonsten aber die Komplexität des Handballspiels stark vereinfacht. K 1
K 1 | Goalcha-Streethandball
K 1 | Goalcha-Streethandball
2008 erstellte die „Street Handball Organisation in Dänemark ein Konzept, um das Handballspiel so zu vereinfachen, dass es sowohl in der Freizeit von Kindern als auch in der Schule Einzug findet. Die ehemaligen Profispieler Lasse Boesen und Stefan Kretzschmar gründeten 2011 als Gesellschafter und Botschafter gemeinsam mit anderen Unterstützern die Goalcha GmbH, um diese Idee auch nach Deutschland zu bringen. Das positive Spielgefühl steht für die Aktiven im Mittelpunkt so soll miteinander statt gegeneinander gespielt werden.
Auf dieser Basis erarbeiten die Lernenden Spielvarianten, in denen sie eigene Regeln in das Spiel einbringen können. Diese Mitgestaltung des Unterrichtsgeschehens hilft ihnen, Spielprozesse auf der Metaebene zu durchdringen und den Einfluss von Regeln auf das Spielgeschehen einzuschätzen. Dabei soll ihnen bewusst werden, dass das Spiel sieben gegen sieben auf zwei Tore nicht das Ziel der Regelanpassungen sein soll, sondern die Verteilung der Spielanteile.
Erste Schwierigkeiten im Spiel
Die erste Unterrichtsstunde beginnt zur Gewöhnung an das neue Spielgerät mit einem Aufwärmprogramm mit koordinativem Schwerpunkt. Zunächst sollen sich die Schülerinnen und Schüler in Zweierpaaren zusammenfinden und sich den Ball zupassen, während sie frei in der Halle umherlaufen. Dann wird lediglich die Art des Passes vorgegeben: mit der Nichtwurfhand, mit zwei Händen, hinter dem Rücken. Anschließend werden noch einige allgemeine Koordinationsübungen mit Ball durchgeführt, etwa zwei Bälle gleichzeitig hochwerfen und wieder fangen oder einen Ball hochwerfen, eine 360°-Drehung absolvieren und den Ball dann wieder fangen. Neben der Gewöhnung an den Goalcha-Ball dient dieser Teil der allgemeinen Erwärmung sowie der Motivation.
Anschließend werden zwei...

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