5. – 13. Schuljahr

Blall Shirdel/Steffen Greve

Gemeinsam Sporttreiben

Was kann inklusiver Sportunterricht vom inklusiven Vereinssport lernen?

Das gemeinsame Sporttreiben von Menschen mit und ohne Handicap ist aktuell ein viel diskutiertes Thema in der Sportwissenschaft. Die Thematik wird dabei meist im Kontext des Sportunterrichts aufgegriffen und erforscht. Reuker et al. (2016) weisen darauf hin, dass die „adaptive Gestaltung (ebd., S.96) eines inklusiven Unterrichts notwendig ist und für die Lehrkräfte eine Herausforderung darstellt. Die Forschungslage zur Inklusion im Sportverein ist ebenfalls rudimentär (Doll-Tepper, 2015; Seitz, Meier & Adolph-Börs, 2016). Entsprechende Projekte sind in der deutschen Sportlandschaft bis dato eher selten (Breuer & Feiler, 2017, 2015). Eine Ausnahme bildet die inklusive Handball-Initiative Freiwurf Hamburg. K1
K 1 | Freiwurf Hamburg
K 1 | Freiwurf Hamburg
Die inklusive Handball-Initiative Freiwurf Hamburg besteht aus acht Handballmannschaften aus fünf Vereinen. Die Teams spielen eine Meisterschaft in einem Ligaspielbetrieb unter dem Dach des Deutschen Handballbundes und des Hamburger Handball-Verbandes. Alle Teams haben einmal in der Woche Training und Punktspiele in der angesprochenen Spielklasse. Knapp 100 Menschen mit und ohne Handicap spielen hier mit- und gegeneinander Handball. Die Initiative ist mehrfach ausgezeichnet worden und lässt sich seit 2015 im Rahmen des Projekts NEvaFrei wissenschaftlich begleiten. Weitere Infos unter http://www.freiwurf-hamburg.de
Darin wird versucht, im Rahmen des inklusiven Vereinssports, die Unterschiede der Teilnehmer undramatisch an- und aufzunehmen sowie teilnehmerorientiert Lösungen für entstehende Probleme zu suchen. Die Initiative wird durch das dazugehörige Evaluationsforschungsprojekt NEvaFrei (Nutzenfokussierte Evaluation der inklusiven Handballinitiative Freiwurf Hamburg) begleitet und evaluiert (Greve, 2016, 2017; Greve & Emamifard, 2018; Greve & Möller, i.B. Greve, Fasold, v. Keutz, Heisler & Shirdel, i.B.).
Dieser Beitrag beschäftigt sich mit der Frage, was inklusiver Sportunterricht vom inklusiven Vereinssport lernen kann. Dazu werden Ergebnisse aus dem Projekt NEvaFrei dargestellt und im Hinblick auf ihre Übertragbarkeit auf den Sportunterricht diskutiert.
Evaluation der inklusiven Handballinitiative Freiwurf Hamburg
Seit Ende 2014 wird im Rahmen des Forschungsprojekts NEvaFrei eine nutzenfokussierte Evaluation (sensu Patton, 2008) durchgeführt (Greve, 2016, 2017; Greve & Emamifard, 2018; Greve & Krieger, i.V.). Dabei steht die Frage im Mittelpunkt, wie die bei Freiwurf Hamburg partizipierenden Akteure ihr eigenes Handeln sowie die dort ablaufenden Vorgänge selbst deuten und gestalten. Untersucht werden die Praxen und das Potenzial der Handballinitiative im Kontext inklusiver Kulturen und Strukturen. Evaluation und Praxis sind dabei eng verbunden, wobei die Ergebnisse der Evaluationsforschung unmittelbar Einfluss auf die Praxis nehmen. Dies wird durch monatliche Forschungstreffen gewährleistet, bei denen ein Mitglied von Freiwurf Hamburg anwesend ist. Im Folgenden werden Ergebnisse des Forschungsprojekts dargestellt, die im Wesentlichen die Interaktion der Akteure thematisieren und die für einen Transfer in den Sportunterricht relevant erscheinen.
Spannungsverhältnis zwischen Inklusion und Integration
Das Verständnis von Inklusion der Teilnehmer und Teilnehmerinnen beeinflusst das soziale Handeln und mögliche resultierende Hierarchiebildungen innerhalb der Gruppe. Die Ergebnisse weisen deutlich auf entsprechende Wechselwirkungen hin. So erleben viele Spielerinnen und Spieler ohne Handicap Freiwurf Hamburg im Spannungsverhältnis zwischen einem inklusiven und integrativen Verständnis (Greve, 2016, 2017). Dieses Spannungsverhältnis kann sich in verschiedenen Rollen zeigen: Einem integrativen Paradigma ist etwa der Spieler ohne Handicap zuzuordnen, der sich selbst als „Trainerhelfer oder „Behindertenunterstützer...

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