3. – 6. Schuljahr

Birgit Jeschonneck

Bewegen und erstarren

Unglaublich schnell und unerträglich langsam eine Bewegungsgestaltung zu „Company von Philip Glass

Dieser Praxisbeitrag schildert die Entwicklung einer Tanzgestaltung zu Philip Glass Streichquartett „Company. Gleichmaß und Unterbrechung, Dynamik und Stillstand, Tempo und Zeitlupe sind die Bewegungselemente, die den Kindern ganz unabhängig von Vor-Erfahrungen oder „Tanztalent ermöglichen, eine gemeinsame Präsentation zu erarbeiten obwohl eigentlich jeder ganz für sich bleibt.
Denn beim Tanzen erlebt man oft das Phänomen, dass die Leistungsstarken ganz besonders leistungsstark und die Leistungsschwächeren ganz besonders unmotiviert sind. Wildes Lernen spielt beim Tanzen eine besonders große Rolle: Die, die es ohnehin gut können, üben halbe Nachmittage aus Videos/Computerspielen abgeschaute Tanzschritte, andere interessiert das wiederum überhaupt nicht. Die Spannbreite von Interesse und Motivation ist groß. Zudem haben die Schülerinnen und Schüler manchmal schon feste Vorstellungen davon, was Tanz ist: Vierertakt und Achterperioden, große Synchronität, Groove, eine feste formale Struktur, die es umzusetzen gilt. All dies ist wunderbar und eröffnet tolle Arbeitsmöglichkeiten doch die weniger ambitionierten Poptänzer bleiben oft auf der Strecke.
In dieser Unterrichtseinheit sollen die Kinder eine andere Art des Tanzens kennenlernen und eine andere Musik hören, als die, die ihnen bereits bestens bekannt ist. Die vorgeschlagene Tanzgestaltung ist eigentlich simpel und nahezu voraussetzungslos, denn sie arbeitet lediglich mit den Elementen Gehen, Stehen, Sitzen und Liegen. Da jeder innerhalb der Gruppe für sich bleibt, also auch seinem eigenen Rhythmus von Dynamik und Stillstand folgt, ist die Präsentation erstaunlich intensiv und eindrucksvoll.
Gleichmäßiges, metrisches Gehen und dann: plötzliches Stehenblieben und Verharren im Stehen, im Sitzen oder im Liegen. Dann schnell wieder weitergehen, sehr gleichmäßig, sehr im Metrum. Die hier vorgestellte Tanzgestaltung lebt innerhalb jeder einzelnen der zwei Sequenzen vom Kontrast zwischen Gleichmäßigkeit (stetes, zügiges Gehen) und willkürlicher Unterbrechung (verschiedene Freeze-Positionen, die von den Lernenden selbst kreativ entwickelt werden). Beide Sätze/Tanzsequenzen kontrastieren darüber hinaus aber auch ein „Miteinander, denn der erste Abschnitt wird in größter Langsamkeit und der zweite in sehr hoher Geschwindigkeit getanzt. Den musikalischen Rahmen dafür bilden die ersten zwei Sätze des Streichquartetts „Company von Philip Glass. K1
K1 | Info: Philip Glass
K1 | Info: Philip Glass
Philip Glass (*1937) ist einer der populärsten amerikanischen Komponisten der Gegenwart. Gemeinsam mit Steve Reich gilt er als Hauptvertreter der Minimal Music. Glass selbst beschreibt sich allerdings lieber als „Komponist von Musik mit sich wiederholenden Strukturen und auch als Theaterkomponisten. Die Oper „Einstein on the Beach ist sein bekanntestes Bühnenwerk. Neben Orchesterwerken, Bühnenwerken und Kammermusik, schreibt Glass auch (wie er selbst es nennt) „Gebrauchsmusiken: bereits in den 60er-Jahren Theatermusik für Samuel Beckett, später dann Filmmusiken für experimentelle Filme wie die „Quatsi-Trilogie von Godfrey Reggio, aber auch für Blockbuster wie „The Hours oder „The Truman Show.
Auch das zweite Streichquartett von Philip Glass, „Company, war ursprünglich eine dieser „Gebrauchsmusiken. Es entstand Anfang der Achtzigerjahre für das gleichnamige Theaterstück von Samuel Beckett. Aus diesen vier Zwischenmusiken zur Abgrenzung der Szenen, entwickelte Glass 1983 sein zweites Streichquartett. Die vier Sätze ähneln sich sehr, man könnte sagen, dass für die Musik das Gleiche gilt wie für Becketts „Company: „Ein weiteres Merkmal ist die Wiederholung. Es wiederholt sich mit nur kleinen Varianten immer das Gleiche ... (S. Beckett).
Auffallend ist, neben dem sehr ähnlichen harmonischen Schema, der...

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