1. – 13. Schuljahr

Carolin Köster/Miriam Kehne

Zwischen Trend und Tradition

Die Vielfalt des klassischen Gerätturnens und der innovativen Formen des Sichbewegens an Geräten im Sportunterricht ausgeglichen nutzen

„Im Zuge der rasanten Entwicklung immer neuer Sportangebote haben die traditionellen Kernsportarten, wie Leichtathletik, Schwimmen, Sportspiele und auch das Gerätturnen, einen schweren Stand. Dennoch ist unverkennbar, dass gerade diesen Sportarten immer noch und je differenzierter die Sportkultur wird umso mehr eine grundlegende und sportartübergreifende Bedeutung für die Ausformung eines vielseitigen und variabel einsetzbaren Bewegungsrepertoires zuerkannt wird. Sie gehören nach wie vor zu den Grundsportarten des Schulsports; () und sie sind Ausgangspunkt und Basis für viele Trends und Entwicklungen der Jugendkultur. (Shiowski, 2014, S. 12)
Shiowski beschreibt in seinem Vorwort zu Gerlings „Basisbuch Gerätturnen (2014) eine wichtige Beobachtung: Klassische Sportarten, denen schon immer viel Potenzial hinsichtlich der Entwicklungsförderung von Kindern und Jugendlichen zugesprochen wurde, haben es vor allem mit Blick auf den Sportunterricht neben den innovativen, schnelllebigen Bewegungstrends zum Teil schwer zu bestehen. Dies scheint im Besonderen auf das Gerätturnen zuzutreffen: So fokussieren sich Sportlehrerinnen und -lehrer im Bewegungsfeld „Bewegen an Geräten oftmals eher auf trendige Bewegungsformen wie Le Parkour oder Freerunning, inszenieren Bewegungslandschaften wie beim Ninja Warrior oder bieten vermehrt Akrobatikeinheiten an, um das Bewegungsfeld abzubilden. Elemente des klassischen Gerätturnens, wie das Erlernen von Rolle vorwärts, Handstand und Rad, werden eher zweitrangig behandelt oder gänzlich außer Acht gelassen.
Der vorliegende Basisbeitrag zu diesem Themenheft befasst sich vor diesem Hintergrund mit der Vielfalt und den Potenzialen des gesamten Bewegungsfeldes Bewegen an Geräten. Sportlehrkräfte sollen über die große Bandbreite der einzelnen Beiträge sensibilisiert werden, den eigenen Sportunterricht bezogen auf ein ausgeglichenes Verhältnis von traditionellem Gerätturnen und modernen Formen des Sichbewegens an Geräten zu prüfen und vor allem dem klassischen Gerätturnen wieder mehr Aufmerksamkeit zu schenken. In einem ersten Schritt erfolgt dazu eine Einordnung bestehender Begrifflichkeiten im Bewegen an Geräten, bevor das Gerätturnen hinsichtlich seiner (fehlenden) Thematisierung im Sportunterricht sowie seiner besonderen Potenziale mit Blick auf die Entwicklungsförderung von Kindern und Jugendlichen beleuchtet wird. Schließlich wird die Aktualität des Turnens an Geräten außerhalb des Sportunterrichts aufgezeigt, um die Chancen für eine Ausrichtung des Sportunterrichts an der aktuellen Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur deutlich zu machen.
Gerätturnen, Turnen, Bewegen an Geräten DAS ist Vielfalt!
In der turnspezifischen Literatur finden sich verschiedene Nomenklaturen, wenn das Turnen an Geräten thematisiert wird. Abbildung 1 setzt die zu findenden Begrifflichkeiten miteinander in Verbindung und zeigt damit die Bandbreite des Bewegungsfeldes sowie das diesem Beitrag zugrundeliegende Verständnis der einzelnen Bereiche auf.
In Anlehnung an Gerlings (2014) Niveaustufen turnerischer Bewegungsgrundformen und Basisfertigkeiten sowie an Kricks (2012b) modifizierte Bewegungshandlungen des turnerischen Sichbewegens gehören zu den turnspezifischen bzw. motorischen Grundbewegungsformen im inneren Kreis u. a. das Laufen, Springen, Landen, Hangeln, Klettern, Stützen, Pendeln, Schaukeln und Rollen. Diese motorischen Grundbewegungsformen bilden die Basis für alle weiteren Sportarten und Bewegungsformen im Bewegungsfeld und damit für das vielfältige Bewegen an und mit Geräten.
Dem „klassischen Gerätturnen, abgebildet im sich daran anschließenden Kreis, wird das technikorientierte, normgebundene Turnen an den olympischen Wettkampfgeräten der Frauen und Männer zugeordnet. Dabei...

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