4. – 6. Schuljahr

Thomas Kirchhoff

Wie auf Wolken landen

Entdecken und Erprobung einer idealen Landeposition im Turnen

Es ist Dienstag nach der ersten großen Pause. Meine Lerngruppe ist eine quicklebendige 5. Klasse mit 28 Kindern. Um ihrem Bewegungsdrang gerecht zu werden, wähle ich zu Beginn meiner Turnstunde das klassische Lauf- und Fangspiel Bockspringen. Hierbei versuchen drei Kinder, ihre Mitschüler mithilfe eines Balles abzutupfen und zu fangen. Die Gefangenen bleiben an diesem Ort, gehen in eine gebückte Bockposition und können durch stützendes Übergrätschen anderer Mitschüler wieder erlöst werden. Zu hohe Bockpositionen können durch die Spielenden auch umlaufen und somit erlöst werden.
Meine Klasse rast freudekreischend los. Die Grätschen klappen auf den ersten Blick ganz gut. Doch die Landungen dieses Stützsprunges sind häufig sehr unkontrolliert, wenig dosiert und laut. Der übermütige Ben und das Kraftpaket Ole stürzen sogar.
Im ersten Kreisgespräch mit der Klasse gehe ich meiner aufkommenden Frage nach, warum beim Laufspiel so häufig der Hallenboden vibrierte: Die Landung sitzt nicht!
Landen will gelernt sein!
Den Inhalt Landen bzw. Landeposition thematisiere ich gern zu Beginn meiner Unterrichtseinheit Stützsprünge. Neben dem beidfüßigen Prellabsprung und der Stützphase bei Stützsprüngen, spielt die Landung nach meiner Ansicht eine zentrale Rolle im Gerätturnen. Sie ist der zelebrierte Abschluss, das Prunkstück zum Abschluss einer gezeigten Turnübung. Sie gibt dem äußeren Betrachter Hinweise auf die Qualität des zuvor geturnten Elements und wertet mit einem stillen Stand gern mal die Turnübung auf.
Die Sportart Gerätturnen vermag es, durch methodisch vielseitige Spiel- und Übungsformen bei den Schülerinnen und Schülern mehr Bewegungssicherheit in puncto Landen aufzubauen und gleichzeitig Unfällen vorzubeugen.
Gerling (2007) bestätigt die Unwissenheit heutiger Kinder: „Es ist aber heute nicht mehr selbstverständlich, dass Kinder wissen, wie sie sich aufzufangen haben, wenn sie von Erhöhungen herunterspringen. Sie tun sich weh, weil sie hart, sprich: steif, aufkommen. Oder sie klappen beim Aufkommen zusammen (S. 100). Richtiges und gesundes Landen will gelernt sein!
Gern demonstriere ich die Bedeutung der Landung mit meiner superbeweglichen Gliederpuppe „Helga vor meiner Klasse mit einem spektakulären Doppelsalto rückwärts und einer sanften Landung wie auf einer Wolke. Die Kinder staunen nicht schlecht, wie es ein Turner aus über zwei Metern Höhe schafft, so sanft und kontrolliert zu landen. Das macht die Klasse neugierig und Lust auf mehr.
Die Schülerinnen und Schüler werden nun in Dreiergruppen aufgeteilt und erhalten von mir die Bewegungsaufgabe, von kleinen Kästen hinunterzuspringen, dabei unterschiedliche, bereits bekannte Sprünge, wie Strecksprung, Grätschsprung, Grätschwinkelsprung oder Hocksprung, auszuführen und mehrfach zu wiederholen.
Vier geleitete Impulse bzw. Aufgabenstellungen, wie auf Arbeitsblatt 1 gezeigt, helfen den Kleingruppen dabei, zentrale Merkmale für eine ideale Landung bzw. Landeposition zu finden und zu fixieren.
Versuche, so zu landen, dass
  • ... dich niemand hört. Pssst!
  • ... du im Stand nicht wackelst und im Gleichgewicht stehst. Deine Arme sind nun auch gefragt.
  • ... dein ganzer Schwung sanft abgefangen wird.
  • ... du nicht nach hinten fällst.
In dieser Phase ist das selbstständige, wiederholende und eifrige Üben der eingeteilten Dreiergruppen gefragt. Die Kinder sammeln eigene Körpererfahrungen beim Landen und nehmen durch die Impulse auf dem Arbeitsblatt neue Technikmerkmale für eine ideale Landeposition wahr. Es wird diskutiert, verglichen und natürlich probieren sie auch, sich zu übertrumpfen. So verkündet Tim in seiner Dreiergruppe: „Meine Landung war noch etwas leiser als eure. Hört genau zu und schaut, wie ich es mache! Während dieser Erarbeitungsphase bleibe ich im Hintergrund und nehme eine beobachtende Position ein. Zugleich fungiere ich als...

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