11. – 13. Schuljahr

Leonie Pagnotta

„Upside down

Wir wachsen über uns hinaus! Erlernen eines schwierigen Turnelements unter den Perspektiven Wagnis & Gesundheit

„Das kann ich nicht!, „Das ist doch viel zu gefährlich!, „Sollen wir das wirklich machen?!, lauten die Reaktionen meines Oberstufenkurses mit 22 Lernenden auf das Zeigen einer kurzen Videosequenz, in der der Handstütz(sprung)überschlag (HSÜ) geturnt wird. Natürlich wirft das auch für mich einige Fragen auf: Ist die Zielfertigkeit zu schwierig? Ist das Verletzungsrisiko zu hoch? Wie gehen die Lernenden mit der Herausforderung des Erlernens dieses turnerischen Elements um? In diesem Unterrichtsvorhaben (K1) übernehmen sie viel Verantwortung für sich und andere. Dazu gehören eine gute Selbsteinschätzung und das sichere Ausführen von Hilfestellungen. Turnerisch müssen sie die Grundfertigkeiten aus der Sekundarstufe I, das Turnen eines Handstandes mit Hilfestellung und Stützkraft, mitbringen bzw. auffrischen sowie mit den Geräten verantwortungsbewusst umgehen.
K1 | Das Vorhaben im Überblick
K1 | Das Vorhaben im Überblick
1. Doppelstunde: Der Handstand als Voraussetzung
Wir vertiefen turnerische Fertigkeiten (Körperspannung, Koordination und Stützen) anhand des Handstandes.
2. Doppelstunde: Überfallen bzw. zweite Flugphase
Wir erlernen erste Teilaspekte des HSÜs.
3. Doppelstunde: Erste Flugphase
Wir erarbeiten die erste Flugphase mithilfe eines Minitrampolins.
4. Doppelstunde: Verbindung der ersten Flugphase und des Überkippens
Wir verbessern unsere Zielfertigkeit durch die Verbindung zweier Teilaspekte.
5. Doppelstunde: Verbindung aller Phasen zum HSÜ
Wir wenden die erlernten Teilaspekte an und erreichen unsere Zielfertigkeit.
Als Einstieg in das Unterrichtsvorhaben nutze ich die Emotionen der Schülerinnen und Schüler im Sinne einer problemlösenden Theorie-Praxis-Verknüpfung, bei der schrittweise motorische und soziale Fähigkeiten sowie Fertigkeiten im Sinne von Ressourcen gestärkt werden sollen: Wovor habt ihr Angst? Was können wir gegen die Angst unternehmen? Wie können wir unser Ziel dennoch erreichen? In einem Unterrichtsgespräch reflektieren, sortieren und spezifizieren die Lernenden mithilfe des Roth-Textes1 und anhand der Phasenstruktur (Abb. 1 ) notwendige Voraussetzungen für das Absolvieren der Zielbewegung (z. B. Kraft: Schulter-, Rücken- und Bauchmuskulatur und Stützkraft; Mut/Zuversicht: Hilfestellungen, Sicherheit, Bewältigung von Ängsten), um ein Risiko (Verlassen auf Glück) in ein Wagnis (Verlassen auf eigene Fähigkeiten) zu verwandeln. Dies führt zu einer schülerorientierten Gestaltung des Unterrichtsvorhabens und ermöglicht den Lernenden die eigenständige Annäherung an das Wagnis.
Den Handstütz(sprung)überschlag (HSÜ) vereinfachen
Ziel des Unterrichtsvorhabens ist nicht die perfekte turnerische Ausführung des HSÜs, sondern das Erfahren von turnerischen Wagnissen. Dabei werden beide Bereiche der Widerstandsüberwindung, sich motorisch verbessern und Handlungssituationen vereinfachen, berücksichtigt, was einen wesentlichen Beitrag zur Erziehung und Bildung leistet. Hilfreich ist dabei das Wissen der Schülerinnen und Schüler über die Vereinfachung von Fertigkeiten und Hilfestellungen (Roth-Text). Dieser Text wird als Hausaufgabe zur ersten Doppelstunde aufgegeben und dient im Einstieg vor allem als Grundlage zur schülerorientierten Gestaltung des Unterrichtsvorhabens. Das Unterrichtsvorhaben orientiert sich demnach am integrativen Modell der Theorie-Praxis-Verknüpfung, bei dem ein enger Bezug von Praxis und Wissenschaft dazu führt, dass die Lernenden eine sportpraktische Herausforderung (HSÜ) durch die Zuhilfenahme sportwissenschaftlicher Theoriebestände (Lernen geschlossener Fertigkeiten; weitere Möglichkeit: Salutogenesemodell, s. Abb. 2) lösen können (vgl. Schulz, 2007, S. 168).
Ablauf der Unterrichtseinheit
Im Anschluss an den Einstieg (Konfrontation mit der Zielfertigkeit, Reflexion von Ängsten) entwickeln die Lernenden Lösungen...

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