1. – 13. Schuljahr

Peter Neumann

Spiel- und Wettkampfideen1

(Tret)Roller fahren im Sportunterricht

Obwohl das Rollen und Fahren in (fast) allen Sportlehrplänen in Deutschland Berücksichtigung findet, tut sich der Sportunterricht schwer mit der Umsetzung. Sportlehrkräfte monieren insbesondere vier Problembereiche (Neumann, 2019): fehlende oder unzureichende Geräte (1), potenzielle Verletzungsgefahren (2) sowie wenig geeignete Roll(sport)flächen in der schulischen Umgebung (3); dies macht ein deutlich erhöhtes Lehrerengagement erforderlich (4). Einige der Barrieren lassen sich meines Erachtens mit dem Einsatz von Tretrollern (Abb. 1) im Sportunterricht minimieren:
  • Für die Vermittlung rollertypischer Fertigkeiten ist nur eine Teilausstattung von ca. 8 – 10 Rollern notwendig.
  • Robuste Stuntroller an Stelle klappbarer Roller (Scooter) verringern Wartungsarbeiten und Kosten aufgrund eines geringeren Geräteverschleißes.
  • Werden die Roller in der Sporthalle (indoor) genutzt, sind nach Auskunft der Unfallkasse Baden-Württemberg keine Protektoren oder Helme erforderlich. Fährt man mit Schülerinnen und Schülern auf dem Schulgelände (outdoor), müssen (Fahrrad-)Helme getragen werden.
  • Es gibt verschiedene regionale Initiativen, die Schulen kostengünstig Roller für einen gewissen Zeitraum – z.B. vier Wochen zur Verfügung stellen (z.B. ADFC). Auch private Roller können im Sportunterricht genutzt werden. Dabei ist vorab zu klären, was im Falle einer Beschädigung eines privaten Rollers zu tun ist und wer die Fahrtauglichkeit der privaten Roller prüft.
Aufgrund von Produktentwicklungen sind Tretroller seit den 1990er-Jahren längst kein Kinderspielzeug mehr. Tretroller gibt es heute für die unterschiedlichsten Zielgruppen und Bedürfnisse und auf sehr unterschiedlichen Preisniveaus (K1 ). Es gibt inzwischen sogar Deutsche Meisterschaften im Rollerfahren.
Lernziele im Sportunterricht mit Tretrollern
Im Mittelpunkt der Kompetenzerwartungen der Lehr- und Bildungspläne im Fach Sport steht der Erwerb der Fähigkeit, sicher und sicherheitsbewusst mit Rollern fahren zu können. Diese Fähigkeit basiert im Wesentlichen auf drei Lernleistungen:
  • motorische: z.B. Fahrgeschwindigkeit regulieren und situativ anpassen
  • soziale: z.B. mit einem Partner das Buddy-System (Partnercheck) anwenden
  • kognitive: z.B. Bauteile eines Tretrollers benennen und die erforderliche Ausrüstung funktionsgerecht einsetzen
Für die Vermittlung dieser basalen Kenntnisse und Fertigkeiten bietet sich ein Stationsbetrieb sowie das Fahren in einer vorgegebenen Organisationsform an. Dabei werden zunächst das Anschieben, die Geschwindigkeitskontrolle, das Kurvenfahren und Bremsen geschult (Neumann, 2017, S. 5 f.).
Die nachfolgenden Rollerspiele und Rollerwettkämpfe dienen der Anwendung und Festigung der basalen Fertigkeiten. Probedurchgänge vor der eigentlichen Wettkampfsituation entspannen die Spiel- und Wettkampfatmosphäre erheblich und sorgen dafür, dass alle Schülerinnen und Schüler die basalen Regeln und Handlungsanforderungen verstanden haben und befolgen können.
Es bietet sich an, die Rollerspiele und Rollerwettkämpfe so zu organisieren, dass eingesetzte Materialien, bestehende Aufbauten oder vorgegebene Fahrstrecken mehrfach genutzt oder unaufwendig umgestaltet werden können. Bei den Rollerwettkämpfen in Staffelform werden zudem deutlich weniger Tretroller als bei den Rollerspielen benötigt.
Wenn die zulässige Gesamtlast pro Roller (ca. 100 kg) nicht überschritten wird, können zwei Schülerinnen oder Schüler (im Tandem) auf einem Roller fahren.

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