6. – 6. Schuljahr

Marcel Katz

Klassisches Gerätturnen? Cool!

Erlernen von turnerischen Grundelementen als Voraussetzung für weiterführende Bewegungen an Geräten

„Sag mal, hast du noch Material zum Turnen? Ich muss das dieses Halbjahr in meiner sechsten Klasse machen und das ist ja nicht so meine Sportart! Dieser Auftakt in die Unterrichtseinheit „Bewegen an Geräten ist mit Sicherheit dem Großteil der Sportlehrkräfte an Schulen bekannt. Kolleginnen und Kollegen fragen sich gegenseitig nach Unterrichtsmaterialien und gestehen sich im persönlichen Gespräch untereinander ein, dass das klassische Gerätturnen anscheinend bei einigen Sportlehrkräften nicht unbedingt zu den beliebtesten Sportarten im Unterricht gehört. Gründe hierfür werden auf Nachfrage vor allem im Empfinden eines Unsicherheitsgefühls gesehen, so zum Beispiel in Bezug auf die Aspekte Sicherheit und Hilfestellung, Körperkontakt und eigene (fehlende) Erfahrungen. Hinzu kommen beinahe schon selbstverständliche Kommentare der Schülerschaft wie: „Och ne, Turnen? Wann spielen wir denn endlich wieder Fußball? Auch die Schülerinnen und Schüler scheinen keine Lust darauf und vielleicht auch Angst davor zu haben, sich in einer traditionellen Individualsportart zu präsentieren und gegebenenfalls durch das Scheitern an vorgegebenen Bewegungsausführungen direkte negative Rückmeldung zu erhalten. Diese zwei Faktoren haben oftmals zur Konsequenz, dass das klassische Gerätturnen nur noch selten oder gar nicht mehr im Sportunterricht thematisiert wird.
Mit der folgenden Darstellung einer Unterrichtseinheit (K1) für die sechste Klasse zum Erlernen der Rolle vorwärts, des Handstands und des Rads am Boden – drei Basiselemente des traditionellen Gerätturnens möchte ich aufzeigen, dass es nicht immer Le Parkour oder Akrobatik sein müssen und auch nicht sein können, um Lernenden turnerische Bewegungen zu vermitteln. Zumal nicht vergessen werden darf, dass besonders im zurzeit favorisierten Le Parkour eine Vielzahl von Bewegungen auf turnerischen Grundelementen basiert.
K1 | Das Vorhaben im Überblick
K1 | Das Vorhaben im Überblick
1. Stunde:
Motivation! Turnen ist spannend. Verknüpfungen zur Alltagswelt sowie erste Erfahrungen mit dem Rollen und Stützen. Grundlegende Regeln zur Hilfestellung.
2. Stunde:
Wir helfen uns gegenseitig. Intensive Gruppenarbeit an den Bodenelementen. Übungsreihen zum Annähern an die Zielbewegung.
3. Stunde:
Wir bitten um Rat. Das Rad wird in dieser Doppelstunde fokussiert. Rolle vorwärts und Handstand werden wiederholt und vertieft.
4. Stunde:
„Feintuning. Auf Feinheiten achten, um sich turnerisch sauber zu bewegen, und sich gegenseitig Rückmeldung geben.
5. Stunde:
Es muss fließen. Die bekannten Bodenelemente werden flüssig verknüpft. Ggf. Einführung Strecksprung (mit halber Drehung) und Abrollen aus dem Handstand zur Differenzierung nach oben.
6. Stunde:
Jetzt kommt die Kür! Präsentation der erarbeiteten Küren. Ausblick auf weitere turnerische Geräte.
An dieser Stelle möchte ich bereits festhalten, dass der Unterricht verstärkt auf methodische Übungsreihen, Abbildungen von Bewegungsreihen und hohe Wiederholungszahlen zurückgreift, da ich der Meinung bin, dass sich das klassische Üben an dieser Stelle nicht vermeiden lässt und die Schülerinnen und Schüler dieses im Unterricht auch konkret erfahren müssen, um (persönliche) Erfolge erlangen zu können.
Aller Anfang ist schwer
Donnerstag, 8 Uhr am Morgen. Meine sechste Klasse bestehend aus 27 Schülerinnen und Schülern wartet bereits vor der Tür zur Sporthalle.
Nachdem sich die Klasse umgezogen hat, treffen wir uns in einem Sitzkreis in der Mitte der Sporthalle. „Wer besitzt Erfahrungen im Turnen?, frage ich in die Runde. Die Reaktionen fallen unterschiedlich aus: Augenrollen, ablehnende Bemerkungen, Aussagen über die eigene Unfähigkeit im Turnen. Davon lasse ich mich jedoch nicht abschrecken. Vor zwei Jahren habe ich mich erstmals dazu entschieden, Videos von Freerunnern und Traceuren...

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