2. – 2. Schuljahr

Anja Müller

Freerunning über Hindernisse

Erprobung und Entwicklung vielfältiger Bewegungsformen zum Überwinden eines Hindernisparcours

Was heißt eigentlich Freerunning? Freies Laufen oder auch im Freien laufen? Sicher ist, dass diese noch recht junge Trendsportart als eine Variante von Le Parkour entstanden ist. Le Parkour (verkürzt auch Parkour genannt) wurde Ende der 1980er-Jahre in einem Vorort von Paris von David Belle ins Leben gerufen. Die urbane Umgebung nutzte er dazu, Hindernisse wie Mauern, Wände, Geländer , Treppen und Dächer möglichst schnell und geschickt zu überwinden (vgl. Schmidt-Sinns et al., 2014, S. 31f.). Heute ist Parkour nicht nur durch Szenen in Kinofilmen, Musikvideos und Werbespots, sondern auch bereits aus dem Schul- und Freizeitsportbereich vielen Kindern, Jugendlichen und Sportinteressierten ein Begriff.
Anders als beim Parkour, bei dem es darum geht, schnell, effizient und ohne Umwege von einem zum anderen Ort zu gelangen, liegt der Schwerpunkt beim Freerunning auf dem kunstvollen, kreativen und akrobatischen Überwinden von Hindernissen. Laut Sébastien Foucan, der das Freerunning entwickelte, ist es als „Kunst der Fortbewegung noch individueller und persönlicher, weil es keine festen Bewegungsabläufe vorgibt, sondern an die Stärken und Schwächen jedes Einzelnen angepasst werden kann (vgl. Foucan, 2010, S. 8; Witfeld, Gerling & Pach, 2010, S. 19 – 29). Mit dieser Aussage wird das pädagogische Potenzial des Freerunnings deutlich jeder kann Freerunning trainieren und dabei seinen individuellen Möglichkeiten entsprechend einsteigen. Dies bringt vor der Diskussion um Heterogenität besondere Vorteile für den Sportunterricht in der Schule.
In der hier vorgestellten Unterrichtseinheit (K1) liegt der Schwerpunkt somit bewusst auf dem Freerunning, denn die Lerngruppe Schülerinnen und Schüler der zweiten Klasse sollen vor allem dazu angeregt werden, eigene geschickte, kunstvolle und kreative Bewegungen und Bewegungskombinationen zum Überwinden der Hindernisse zu entwickeln. Die Schnelligkeit beim Überwinden der Hindernisse und das Erlernen spezieller Techniken wie beispielsweise dem Wall Spin (an der Wand gestützter Überschlag seitwärts gehockt) oder Lazy Vault (Laufkehre/Handwechsler) werden in diesem Unterrichtsvorhaben noch nicht konkret thematisiert, können in späteren Unterrichtseinheiten aber aufbauend auf diese Grunderfahrungen erarbeitet werden.
K1 | Das Vorhaben im Überblick
K1 | Das Vorhaben im Überblick
1. Stunde:
Wir lernen Freerunning kennen! (45 Min.)
Die Kinder erhalten anhand eines kurzen Videofilms einen Einblick in das Thema und erproben exemplarisch das Überwinden eines Hindernisses.
2. Stunde:
Sicheres Landen (90 Min.)
Die Kinder erlernen das beidbeinige, abfedernde Landen nach Sprüngen zum Überwinden einzelner Hindernisse.
3. Stunde:
Wie überwinde ich das Hindernis? (45 Min.)
Die Kinder entwickeln und erproben Bewegungsideen zum kreativen Überwinden der einzelnen Hindernisse eines Geräteparcours.
4. Stunde:
Wie überwindest du das Hindernis? (45 Min.)
Die Kinder präsentieren und üben ihre Bewegungsformen zum Überwinden der einzelnen Hindernisse eines Geräteparcours.
5. Stunde:
Freerunning wir sind kaum zu stoppen! (45 Min.)
Die Kinder überwinden Einzelhindernisse eines Geräteparcours möglichst geschickt unter Erhalt des Bewegungsflusses.
6. Stunde:
Wir filmen unseren „Run! (90 Min.)
Die Kinder verbinden ihre Bewegungsideen an den einzelnen Hindernissen zu einem „Run durch den gesamten Parcours, der auf Video aufgezeichnet wird.
7. Stunde:
Gemeinsam neue Wege gehen! (45 Min.)
Die Kinder schauen ihren Freerunning-Film an und entwickeln und erproben abschließend Möglichkeiten, den Hindernisparcours zu zweit zu durchlaufen.
Freerunning muss nicht zwingend draußen stattfinden. Gerade zum Einstieg in die Sportart ist es empfehlenswert, Hindernisse aus (Turn-)Geräten in der Sporthalle aufzubauen und in abgesicherter Umgebung zu üben (vgl. Schmidt-Sinns...

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