5. – 10. Schuljahr

Michael Kolb & Miriam Soltész

Netball? Netball!

Schülerinnen erproben das Spiel Netball, in dem durch Einteilung in verschiedene Spielfeld-Zonen das team-taktische Verhalten räumlich strukturiert und die Spielteilhabe erhöht wird.

Ziel des nachfolgend beschriebenen Unterrichtsvorhabens ist es, Schülerinnen am Beispiel der Sportspiele Basketball und Netball zu vermitteln, wie Regeln für Korbwurfspiele so verändert werden können, dass ein systematisches Zusammenspiel entsteht und dabei möglichst allen Beteiligten eine gelingende Spielteilhabe ermöglicht wird (vgl. Kolb, 2018).
Ein Basketball-Spiel in der Schule
Schülerinnen meiner dritten Klasse AHS (dies entspricht der 7. Klasse in Deutschland, zudem werden in Österreich in der Regel Mädchen und Jungen im Sportunterricht getrennt unterrichtet) spielen Basketball. Es zeigt sich das im Sportunterricht in dieser Klassenstufe bei Jungen wie Mädchen häufig beobachtbare Spielgeschehen: „Rudelball. Die meisten der Schülerinnen spielen durchaus engagiert mit, aber fast alle orientieren sich direkt zum Ball hin und versuchen, in Ballbesitz zu kommen. Ein weiträumiges Passspiel findet kaum statt, erfolgreiche Angriffsaktionen entstehen eher aus Zufall als aus einem systematischen Zusammenspiel. Vor allem diejenigen unter den Schülerinnen, die Größennachteile haben oder körperlich unterlegen sind und deshalb kaum am Spiel teilhaben können, zeigen durch Rückzug aus dem Spielgeschehen, dass sie mit dem Spielverlauf unzufrieden sind.
Gemeinsame Reflexionsrunde zur Auswertung des Spielverlaufs
Ich unterbreche das Spiel, um die sichtbaren Spielprobleme mit den Schülerinnen zu besprechen. Die Schülerinnen zeigen in ihren Kommentaren, dass sie das zentrale Problem in ihrem Spiel durchaus erkennen: „Man kann kaum abgeben, weil alle so dicht beieinander bei der sind, die den Ball hat. „Niemand läuft sich frei, wen soll man denn da anspielen! Die permanent entstehenden Spielerinnen-Knäuel im Kampf um den Ball lassen es kaum zu, den Ball sicher zu einer der Mitschülerinnen zu spielen. Letztlich zeigt sich deutlich, dass die technischen Möglichkeiten, über die die Schülerinnen verfügen, zu gering sind, um der Knäuelbildung zu entgehen und den Ball sicher nach vorn zu dribbeln oder zu passen.
Die Lösungen für ein besser gelingendes Spiel, die von den Schülerinnen vorgeschlagen werden, zielen vor allem auf ein besseres individuelles spieltaktisches Verhalten ab: „Lauft nicht alle zu der, die den Ball hat. Wir müssen uns weiter weg freistellen, damit wir angespielt werden können. Diese individualtaktischen Verbesserungshinweise erscheinen allen sinnvoll, es wird ein erneuter Spielversuch gestartet.
Bei einem weiteren Spielversuch zeigt sich allerdings rasch, dass es der Klasse nicht gelingt, die besprochenen Spielverhaltensweisen umzusetzen und sie brechen das Spiel erneut frustriert ab. Die Enttäuschung ist groß: „Wir bekommen das einfach nicht hin mit dem Basketball. Ich mache einen Vorschlag: „Ich kenne ein Spiel, bei dem man ähnlich wie beim Basketball auf Körbe wirft. Es heißt Netball und hat ein paar besondere Regeln, die euch helfen könnten, das Spiel besser zu organisieren. K1 Netball wird in England und Australien vor allem von Mädchen viel im Sportunterricht gespielt. Die Stimmung ist skeptisch, aber dann stimmen doch alle zu, Netball einmal auszuprobieren.
K1 | Regeln des Netball-spiels
K1 | Regeln des Netball-spiels
Spielziel: Der Ball muss in den Korb geworfen werden.
Regeln:
  • Das Spielfeld besteht aus drei Zonen: ein Center Third und zwei Goal Thirds, in denen wiederum jeweils ein Goal Circle markiert ist.
  • Die Spielregeln, insbesondere Schrittregeln, sind mit den Regeln des Basketballs vergleichbar. Der Ball darf maximal 3 Sekunden gehalten und maximal einmal aufgetippt werden. Eine Gegenspielerin darf nicht berührt werden.
  • Zu Beginn stehen alle Spielerinnen in ihrem jeweiligen Verteidigungs-Goal-Third, die 2 Center-Spielerinnen im Mitteldrittel...

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