1. – 13. Schuljahr

Astrid Kämpfe

Hohe Ziele in der Sporthalle

Potenziale und Herausforderungen beim Basketball in der Schule

„Komm, lass uns ein paar Körbe werfen! Dieser Ausspruch ist ein Synonym für eine aktive Freizeitgestaltung, bei der die Freude an der Bewegung und ein informelles Mit- und Gegeneinander im Mittelpunkt stehen. Gelegenheit hierfür bietet sich vielerorts Körbe hängen in jeder Sporthalle, auf Schulhöfen, über Garagentoren, in Parks oder auf Spielplätzen. Der Anreiz, den Ball durch den hohen Metallring zu werfen, ist für sich genommen offenbar relativ groß. Für Kinder und Jugendliche sind sicher auch prominente Vorbilder von Bedeutung – aktuell gibt es so viele deutsche Spieler wie nie zuvor in der nordamerikanischen Profiliga NBA sodass die Korbanlagen auf Freiplätzen stets stark frequentiert und auch die Mitgliederzahlen in den Vereinen derzeit so hoch wie seit 20 Jahren nicht mehr sind (DBB, 2018). Aus dem Sportunterricht ist Basketball ebenfalls nicht wegzudenken: Schülerinnen und Schüler wünschen sich die Sportart im Vergleich zu anderen Sportspielen häufig und auch die Lehrkräfte wählen oft Basketball, um die in den Lehrplänen formulierten Kompetenzen anzubahnen (DSB, 2006; Albert, 2012).
Ein erstes Fazit könnte somit lauten: Basketball ist eine beliebte Freizeit- und Schulsportart. Dennoch erscheint es besonders für den Sportunterricht lohnend, neben den Potenzialen auch die zentralen Schwierigkeiten beim Basketballspielen zu betrachten: Denjenigen, die gern und oft auf den Korb werfen, stehen jene Schülerinnen und Schüler gegenüber, die mit dem großen Ball das hohe und vergleichsweise kleine Ziel nicht treffen und sich nach einigen Versuchen enttäuscht von Korb und Spiel abwenden. Ziel des Beitrags ist es daher, sowohl die besonderen Potenziale des Basketballs als auch die Herausforderungen bei der Vermittlung im Sportunterricht zu analysieren. Zudem werden aktuelle Entwicklungen diskutiert, die neue Chancen für den Schulsport bereithalten. Diese Ausführungen bilanzierend, werden abschließend didaktische Leitlinien für den Unterricht formuliert.
Was hat Basketball, was andere Sportspiele nicht haben?
Basketball gehört zu den weltweit am verbreitetsten Sportspielen (Steinhöfer & Remmert, 2011). Die Faszination ergibt sich unter anderem aus der Schnelligkeit des Spiels, aus der eine enorme Aktionsdichte resultiert. Das Spiel erfordert fortlaufend Entscheidungen sowie Tempo- und Richtungswechsel auf engem Raum, wodurch in kurzer Zeit eine hohe Belastungsintensität entsteht. Pausen gibt es auf dem Feld kaum: Die Spielerinnen und Spieler müssen sowohl in der Offensive als auch in der Defensive Aufgaben übernehmen und an beiden Enden des Feldes ist die Kooperation im Team unverzichtbar. Schließlich ist für einen erfolgreichen Korbwurf ein extrem hohes Maß an Präzision erforderlich und das Spiel wird grundsätzlich mit groß gewachsenen Menschen assoziiert. Zugegeben: Dieses Anforderungsprofil klingt zunächst nicht danach, als sei diese Sportart besonders gut für den Sportunterricht geeignet. Und doch ist sie, wie einleitend bereits angedeutet, sowohl bei Lehrkräften als auch bei Schülerinnen und Schülern ein beliebter Unterrichtsinhalt.
In den 1990er-Jahren erlebte der Basketball u.a. durch die Streetball-Bewegung einen Boom in Deutschland. Mit seinen amerikanischen Begleiterscheinungen, wie der Hip-Hop-Musik und dem lässigen Kleidungsstil, entwickelte sich Streetball zu einem Phänomen, welches heute noch Bestandteil der Jugendkultur ist. Vor allem der unverbindliche, individuelle Charakter, das selbstbestimmte Handeln und die Anerkennung durch Gleichaltrige scheinen eine große Anziehungskraft auf Jugendliche zu haben. Hier spielen junge Menschen unterschiedlichster Herkunft mit- wie gegeneinander und lernen dabei, Regeln auszuhandeln sowie Konflikte zu lösen. Der Sportart wird daher sowohl ein großes Integrationspotenzial als auch eine wertevermittelnde Funktion attestiert...

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