1. – 13. Schuljahr

Eckart Balz/Judith Frohn

Das Plus an Schulsport

Außerunterrichtlichen Schulsport gestalten

Schulsport ist mehr als Sportunterricht. Über den Kern des Unterrichtsfaches hinaus, können vielfältige außerunterrichtliche Sport-, Spiel- und Bewegungsangebote das Schulleben bereichern und von Lernenden genutzt werden. Dies wird an Schulen einerseits oft routiniert umgesetzt, andererseits scheint es sich auch immer wieder neu bewähren zu müssen. Im Spannungsfeld zwischen Konstanz und Wandel möchten wir das Spektrum außerunterrichtlichen Schulsports mit seinem besonderen pädagogischen Potenzial für die praktische Ausgestaltung hier beleuchten.
Zunächst geht es darum, den Gestaltungsraum genauer auszuloten und vor diesem Hintergrund stabilisierende Verankerungen und aktuelle Herausforderungen außerunterrichtlichen Schulsports zu sondieren und mit entsprechenden Empfehlungen zu unterlegen; abschließend gilt es, den Stellenwert professionellen Handelns im außerunterrichtlichen Schulsport herauszustellen.
Außerunterrichtlicher Schulsport: pädagogischer Gestaltungsraum
Außerunterrichtliche Sport-, Spiel- und Bewegungsangebote haben eine beachtliche Tradition an deutschen Schulen: Im Schulturnen zur Kaiserzeit gab es bereits „freie Spielnachnachmittage, in der Weimarer Republik kamen Wandertage, Klassenfahrten und Schullandheimaufenthalte reformpädagogisch zum Tragen, während unter dem Nationalsozialismus solche Angebote, z.B. in Form von Orientierungs- und Gepäckmärschen, ideologisch instrumentalisiert wurden; später öffnet sich das Angebot wieder und wird mit Einführung von Bundesjugendspielen, Talentförderung, vermehrten Pausenaktivitäten und Schulsportfesten weiter ausgebaut; darüber hinaus ist ein gewachsenes Arsenal von Sportarbeitsgemeinschaften zu verzeichnen (vgl. Balz, 2010).
Außerunterrichtlicher Schulsport steht für dieses zusätzliche Angebot von Bewegung, Spiel und Sport in der Schule. Im Spektrum vielfältiger Handlungs- und Erfahrungsmöglichkeiten haben sich fünf zentrale Angebotsformen bis heute etabliert: der Pausensport als rhythmisierendes Element im Schulalltag, die Sportarbeitsgemeinschaften als regelmäßige Lerngruppen, die Sportwettkämpfe als Leistungsvergleichsprogramme, die Schulsportfeste als herausgehobene Ereignisse des Schullebens und die Schulfahrten mit ihrem besonderen Unterwegs-Charakter von eintägigen Ausflügen bis hin zu längeren Sportexkursionen; im Blick auf jede Einzelschule, eine möglichst bewegte Schulentwicklung und einen lebendigen Ganztag haben diese Angebotsformen aktuell nochmal an Bedeutung gewonnen (vgl. Laging, 2018; MSW NRW, 2015).
Aus pädagogischer Sicht liegt das Potenzial des außerunterrichtlichen Schulsports in den flexibleren (räumlich-materiellen, personellen, zeitlichen, sozialen) Bedingungen und den damit verbundenen besonderen Möglichkeiten der o. g. Angebotsformen, die über den Fachunterricht hinausweisen und das Lernen und Leben in der Bildungseinrichtung Schule befruchten können. Prinzipiell lässt sich dieses Potenzial dadurch schöpfen, dass sportbezogene Ziele, Zugänge und Handlungsspielräume außerunterrichtlich erweitert werden, indem solche Angebote
  • die Bandbreite von Sport- und Bewegungsfeldern ergänzen (z.B. Parkour-AG),
  • die Auseinandersetzung mit Bewegung, Spiel und Sport vertiefen (z.B. Wettkämpfe),
  • mehr Bewegungsausgleich zu kognitiven Belastungen schaffen (z.B. aktive Pausen),
  • Chancen der Eigeninitiative, Selbstregulierung etc. stärken (z.B. beim Schulfest),
  • das Miteinander, Befinden und soziale Klima verbessern (z.B. auf Klassenfahrten),
  • die Abläufe schulischen Lebens im Schulalltag und Schuljahr insgesamt rhythmisieren,
  • auch eindringliche Erlebnisse ermöglichen (siehe den Beitrag von Meerpohl, Steltenkamp & Bünger in diesem Heft).
Zur Konstanz außerunterrichtlichen Schulsports: Verankerungen
Die sichtbare und durchaus wünschenswerte Konstanz außerunterrichtlichen Schulsports spiegelt sich in seinen typischen...

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